
In den Botschaften gibt es wegen des Rotationssystems des Außenministeriums häufig Personalwechsel. Abwechslung bereichert die Arbeit, aber die Veränderungen verlangen auch viel Organisation und viel Zeit. In der Botschaft von Finnland in Berlin stehen im Sommer mehrere personelle Veränderungen bevor.
Botschaftsrätin Leena Pylvänäinen wechselt nach Den Haag. Ihr Nachfolger ist Marko Laine, der sein Amt am 1.8.12 antritt.
I. Botschaftssekretär Jukka Nikulainen geht nach Helsinki. Sein Nachfolger Christian Heikkinen nimmt seine Tätigkeit am 1.9.12 auf.
II. Botschaftssekretär Petri Hakkarainen hat seine Tätigkeit in der Botschaft beendet. Sein Nachfolger Markus Heydemann beginnt seine Arbeit am 1.8.12.
Nachfolgerin von Konsulin Leena Meier ist Jaana Honkakunnas, die ab 1.8.12 für Konsularangelegenheiten zuständig ist.
Päivi Korbik, die Nachfolgerin der Konsularbeamtin Anja Valavuo, nimmt ihre Arbeit am 1.9.12 auf.
Nachfolger des Verantwortlichen für Liegenschafts- und Materialverwaltung Stefan Weckström ist ab 1.8.12 Pentti Järvinen.
Kulturreferentin Essi Kalimas Nachfolgerin Lena Kingelin nimmt ihre Tätigkeit am 15.8.12 auf.
Wir baten Botschaftsrätin Leena Pylvänäinen und II. Botschaftssekretär Petri Hakkarainen um ihre Meinung, wie sich Deutschland während ihrer Amtszeit hier gewandelt hat. Beide waren mehrere Jahren als Beamte in Berlin. In der Zeit gab es sowohl politische Veränderungen als auch lustige Begebenheiten.
„Die unbestreitbare führende Position, die Deutschland heute in Europa innehat, konnte man sich noch vor einigen Jahren schwer vorstellen“, fasst Pylvänäinen zusammen. „Für Finnland ist Berlin immer ein wichtiger Ort gewesen, aber jetzt ist es das auch aus dem Blickwinkel ganz Europas. Für uns in der Botschaft hat das zum Teil mehr Arbeit bedeutet, aber auch mehr Motivation gebracht. Hier weiß man, dass man sich auf einem wichtigen Aussichtspunkt befindet.“
Nach Hakkarainens Worten liegt das Geheimnis des Reizes der Stadt Berlin in deren ständiger Veränderung. „Manches könnte freilich auch etwas schneller vor sich gehen: Der Aufbau West, über den so viel gesprochen worden ist, lässt nach wie vor auf sich warten...”, wirft Hakkarainen ein und fährt fort: „Im Vergleich zu vor fünf Jahren scheint es, dass die Stadt, wenn überhaupt möglich, noch internationaler und schneller geworden ist. Das unglückselige Flughafenprojekt mag die Ausnahme sein, die diese Regel bestätigt.“
Die großen Orientierungen im politischen Leben Deutschlands haben sich nach Hakkarainen nicht viel geändert in den fünf Jahren. „In der Innenpolitik schäumt es allerdings die ganze Zeit. Mehr hat sich sicherlich das Europa um Deutschland herum gewandelt, auch während der Eurokrise sind Stabilität und Kontinuität für das Deutschland von heute, das sich seiner Geschichte nach wie vor sehr bewusst ist, ein Wert an sich. Aus meinem eigenen Arbeitsbereich habe ich natürlich das ewige Hin und Her mit der Kernkraftpolitik in Erinnerung, gegenwärtig ist ja nun das Aussteigen aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernkraft im Gange.“
In den Berliner Jahren der beiden Diplomaten gab es auch lustige Begebenheiten in Hülle und Fülle. Hakkarainen empfiehlt deshalb auch, das Beherrschen absurder Situationen als extra Studienfach in die Diplomatenausbildung aufzunehmen. „Aus der ganz normalen Tätigkeit in der Botschaft bleibt einem schon allerhand in Erinnerung, aber die lustigsten Erlebnisse hängen eben doch mit den um eine Idee spezielleren Aufgaben zusammen.“
„Eine dieser Art war vor einigen Jahren der Reformationstag in Wittenberg. Der Charakter der Veranstaltung war im Voraus nicht ganz klar, aber schließlich und endlich stand ich als Repräsentant der Botschaft von Finnland mit einigen Bischöfen auf ein und derselben Tribüne. Als Publikum hatten sich auf dem eisig kalten Marktplatz sehr, sehr viele Konfirmanden versammelt, vor denen uns der eifrige Moderator ziemlich kunterbunte Fragen stellte. Jede der Fragen zu Finnland, die er an mich richtete, untermalte er mit Hilfe seines elektrischen Klaviers, auf dem er so etwas wie ein Riff aus In the Shadows von der Band The Rasmus spielte.“
Pylvänäinen wiederum durfte den Berlinern einmal in einer Rundfunksendung des RBB Ratschläge erteilen, wie man mit meterhohen Schneeverwehungen fertig wird. Lachend meint sie: „Das finnische snow how war damals in dem Winter unser Exporttrumpf.“
Der Botschaftsrätin haben sich auch die Fußball-Siegesfeiern auf dem Ku‘damm, der an Herta Müller verliehene Nobelpreis, der Sieg der Namensvetterin Lena beim Eurovision Song Contest in Oslo und natürlich die vielen interessanten Besuche und Tagungen auf hoher Ebene eingeprägt, die es in den zurückliegenden Jahren zur Genüge gab.
Alles Angenehme hat auch einmal ein Ende. Pylvänäinen und Hakkarainen haben schon ihre Pläne für die kommende Zeit fertig:
„Ich bleibe mit meiner Frau noch die nächsten zwei Jahre in Deutschland“, so Hakkarainen. Er tauscht lediglich Berlin gegen Potsdam, die Hauptstadt des benachbarten Bundeslandes Brandenburg, wo er als Wissenschaftler im Forschungsinstitut IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) arbeiten wird. „Mit der deutschen und der europäischen Energiepolitik beschäftige ich mich also auch in Zukunft, allerdings in einer etwas anderen Rolle als bisher.“
Pylvänäinen dagegen wechselt von Berlin nach Den Haag in die Niederlande. „Es wird interessant sein zu sehen, wie Deutschland aus der Sicht des kleinen Nachbarlandes ausschaut“, sagt sie nachdenklich.
„Meinem Nachfolger in Berlin kann ich nur gratulieren: eine super Stadt, tolle Kollegen, interessante Aufgaben. Willkommen!”
Text: Maria Heiskanen-Schüttler