In Merkels Mannschaft
Die Finnen fragen mich oft, wie Finnland aus der norddeutschen Perspektive gesehen dasteht und ob man Finnland hier überhaupt kennt. Zum Glück kann ich antworten, dass Finnland in Norddeutschland nicht gänzlich unbekannt ist, viele haben unser Land besucht und viele haben intensive Kontakte zu Finnland, auch Unternehmen, Kommunen und Städte und sogar die Bundesländer.
Mitte Juni waren Finnland und die deutsch-finnischen Beziehungen besonders präsent im Norden Deutschlands. Im Laufe einer einzigen Woche gab es sowohl gute als auch schlechtere Nachrichten.
Während der Euro-Krise hat Finnland in den deutschen Medien Anerkennung geerntet als ein Land, das seinen öffentlichen Haushalt diszipliniert geführt hat. Ein Land mit AAA-Rating, das von den anderen das Einhalten der gemeinsam beschlossenen Regeln erwartet. In diesem Punkt decken sich die Ansichten von Finnland und Deutschland. Für diese Leistung hat unser Premierminister Jyrki Katainen am 12. Juni die vom Wirtschaftsrat der CDU verliehene Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold erhalten. Das Hamburger Abendblatt hat ihn in einem Themenartikel der Wochenendausgabe in die Mannschaft von Angela Merkel platziert. Der Artikel befasste sich mit dem politischen Spielfeld der EU mit aktuellen Parallelen zum Fußball.
Friedensvermittler geehrt
In der gleichen Woche wurde auch der ehemalige Staatspräsident der Republik Finnland und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari in Deutschland geehrt. Am 17. Juni nahm er den Weltwirtschaftspreis in Kiel entgegen. Als Gratulanten waren sowohl der neue Bundespräsident Joachim Gauck als auch der frisch gewählte Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig, anwesend. Bundespräsident Gauck charakterisierte Ahtisaari als einen auf drei Kontinenten tätigen Friedensvermittler, dessen Errungenschaften in besonderer Weise anspornen. Es ist ihm gelungen, Spannungen zu lösen und Menschen in ein normales Leben zurückzuführen, die lange unter Konflikten gelitten haben. Das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel verleiht den Weltwirtschaftspreis jährlich an drei Personen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die einen Beitrag für eine nachhaltige Weltwirtschaft geleistet haben. Die Preisverleihung ist ein Teil der über die Grenzen hinaus bekannten Kieler Woche, das größte Sommerereignis mit mehr als drei Millionen Besuchern.

Bundespräsident Gauck bei der Preisverleihung in Kiel umrahmt von Generalkonsulin Inmi K. Patterson (l.) und Generalkonsulin Erja Tikka.
Logistikexperten
Die Ostsee und die Logistik verbinden Finnland und Norddeutschland. Finnland ist der viergrößte Kunde des Hamburger Hafens und eine wichtige Route in Richtung Russland. Das Generalkonsulat organisierte gemeinsam mit seinen Hamburger Kooperationspartnern am 13. Juni das 2. deutsch-finnische Logistikforum im Rahmen der transfairlog 2012 -Messe, auf der sich die großen finnischen Häfen und Logistikunternehmen vorstellten. Passend zum Logistikforum veröffentlichte die Weltbank den neuesten Logistics Performance Index, bei dem Finnland den dritten und Deutschland den vierten Platz nach Singapur und Hongkong belegten. Von den europäischen Ländern sind also Finnland und Deutschland die besten Logistikexperten. Auf dem Forum wurde festgestellt, dass es viele gemeinsame Herausforderungen, aber auch Chancen gibt. Zu diesem Thema wird es mehrere Artikel in Fachzeitschriften geben, deren Journalisten wir im Vorfeld des Forums nach Finnland eingeladen haben.
Logistikbranche vor großen Herausforderungen
IT-Branche im Umbruch
Auch Norddeutschlands Medien haben die Probleme von Nokia verfolgt und über die massiven Entlassungen berichtet. Der Schwerpunkt der Berichterstattung lag auf den 700 Entlassungen im Ulmer Werk. Der gleichzeitige Verlust von 3.700 Arbeitsplätzen in Finnland wurde allerdings kaum notiert. Reaktionen, wie die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum vor ein paar Jahren verursachte, gab es diesmal nicht. Die entlassenen Mitarbeiter in Ulm dürften auch keine Probleme haben, neue Jobs zu finden, denn im ganzen Land herrscht Mangel an IT-Fachkräften. Auch in Norddeutschland und insbesondere in Hamburg werden sogar tausende Ingenieure gesucht, IT-Ingenieure eingeschlossen. Vielleicht gibt es hier auch Arbeitsmöglichkeiten für finnische Experten, obwohl wir natürlich hoffen, dass sie Arbeitsplätze in neu gegründeten finnischen Unternehmen finden werden.
Die Sterne der Kultur leuchten
Die finnische Kultur ist recht präsent in Norddeutschland. Mitte Juni dirigierte Esa-Pekka Salonen das NDR Sinfonieorchester in Hamburg, das sein Violinkonzert spielte. Es war ein Ereignis, das sowohl in den Printmedien als auch in den TV-Nachrichten zu sehen war. Die finnischen Stars der klassischen Musik, aber auch der Rock- und Jazz-Szene bekommen hier viel Aufmerksamkeit. Ende Juni werden beispielsweise UMO, Iiro Rantala und das Duo Lepistö-Lehti beim Jazz Baltica dabei sein. Auch über Helsinkis Jahr als Design-Hauptstadt ist hier viel berichtet worden und es ist auch eines der Hauptthemen der Kulturaktivitäten des Generalkonsulats in diesem Jahr.
Die finnische Lebensart wird in den deutschen Medien oft im Lichte der sonderbaren Sportarten wie Weibertragen, Sumpffußball oder Handyweitwurf betrachtet. Eine wichtige Institution in dieser Hinsicht ist der Ostseereport des NDR, dessen 25-jähriges Jubiläum kürzlich mit einem Rückblick vergangener Sendungen in der Pfingstnacht gefeiert wurde. Thema des Finnland-Teils war „sisu“, das natürlich - bei aller Sympathie - durch die besonders viel Ausdauer verlangenden Wettbewerbe und die extremen klimatischen Bedingungen veranschaulicht wurde.
Mittsommersendung im Fernsehen
Auch den Höhepunkt unseres Sommers, die Mittsommernacht, kann man via Fernsehen miterleben. Der Sender Arte strahlt eine 16-stündige Sendung über das Feiern des Mittsommerfestes in Finnland am 22.6. aus. Die Sendung kann man auch in Frankreich und in Finnland auf YLE Teema verfolgen.
Ich werde allerdings ein echtes Mittsommerfest in meinem Sommerhaus mit Sauna feiern. Kein Fernsehgerät auf der Welt kann den Duft eines frisch gebundenen Saunaquastes aus Birkenzweigen oder die Magie der hellen Sommernächte übertragen.