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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Vom Nordseewinde verweht - Botschaft von Finnland, Berlin - Generalkonsulat von Finnland, Hamburg : Aktuelles

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin
GENERALKONSULAT VON FINNLAND, Hamburg

  • Botschaft von Finnland
    Tel. +49-30-50 50 30, E-Mail: info.berlin@formin.fi
  • Generalkonsulat von Finnland
    Tel. +49-40-350 8070, E-Mail: info.hamburg@formin.fi
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Blog, 11.05.2012

Vom Nordseewinde verweht

Das Beste im Norden ist unsere Bodenständigkeit. So wirbt der NDR mit einem TV-Spot mit Menschen, die sich im Wind hin und her bewegen, ohne umzufallen. An diese Werbung musste ich  bei einem Ausflug an die Küste und auf die Inseln der Nordsee denken, zu dem ich von der Landesregierung von Schleswig-Holstein eingeladen wurde. Meinen Generalkonsulkollegen und mir wurde eine einmalige Möglichkeit geboten, die Hallig Gröde zu besichtigen. Die Hallig Gröde ist eigentlich keine Insel, sondern eine Stück Festland, welches durch Stürme der Nordsee vom übrigen Festland getrennt wurde. Diese sogenannten Hallig-Inseln gibt es zahlreich auf der Westseite Schleswig-Holsteins südlich der bekannten Touristeninsel Sylt. Auf der nur 277 Hektar großen Hallig Gröde leben derzeit 11 Einwohner. Fünf Häuser sowie ein Kirchen- und Schulgebäude verteilen sich auf ein paar Warften. 20 bis 30 Mal im Jahr wird diese flache Insel durch Stürme und Hochwasser bedeckt - dann heißt es Landunter! Ebbe und Flut bestimmen das Leben auf der Hallig. Fähren erreichen die Insel zwar innerhalb einer Dreiviertelstunde, dies jedoch nur bei der Flut und nicht an jedem Tag. Während winterlicher Eisstürme muss man gelegentlich mehrere Wochen ohne Zugang zum Festland zurechtkommen. Strom- und Wasserleitungen zur Insel sind gegen Ende der 70er Jahre gelegt worden. Heute funktioniert auch der Zugang zum Internet.

Hallig GrödeHallig Gröde-Appelland ist die drittgrößte der 10 Hallingen.

Die Bewohner von Gröde leben vom Tourismus sowie vom Küsten- und Naturschutz. Die Region befindet sich inmitten eines Wattenmeer-Naturschutzgebietes. Im Frühling fliegen auf die baumlose Hallig ca. 10 000 Ringelgänse, um für die Weiterreise nach Sibirien auftanken zu können. Sie fressen während dieser Zeit so viel Gras, dass nur für ein paar Schafe der Hallig Nahrung übrig bleibt. Erst im Sommer gibt es wieder genug Futter für das vom Festland hergebrachten Pensionsvieh. Durch das salzhaltige Gras bekommt das Rindfleisch einen besonderen Geschmack.

Von Finnland aus betrachtet lebt man in Deutschland dicht und urban. Es leben schließlich 216 Einwohner pro Quadratkilometer, wohingegen es in Finnland nur 17 Einwohner sind. Aber das Beispiel Hallig Gröde zeigt, dass es in Deutschland auch Orte gibt, an denen man isoliert und von der Natur abhängig lebt und Stille, Weite und Naturereignisse genießen kann. Bei uns findet man vergleichbare Gegenden an den äußeren Schären von Turku und in Lappland, wo man natürlich nicht durch das Wasser abgeschnitten ist, aber ansonsten von großen Ballungsgebieten entfernt.

KouluIn der Halligschule befinden sich Klassen voin 1 bis 9, aber derzeit steht die Schule leer.

"Supermacht" der Windenergie

Während unseres Ausflugs haben wir auch den weltgrößten Hersteller von Windkraftwerken, die dänische Firma Vestas, kennengelernt, dessen Zentrale sich in Husum befindet. Vestas hat bereits über 55.000 Windkraftwerke rund um die Welt gebaut. Es war auch sehr interessant, einen lokalen Bürgerwindpark zu besichtigen. Die Landwirte des Küstendorfes Reussenkögen haben in Zusammenarbeit 100 Windkrafträder auf ihren Feldern errichtet, von denen die neuesten über 150 Meter hoch sind. Die Windkrafträder decken den Stronbedarf von 40.000 Haushalten. Eine die erneuerbaren Energien unterstützende Gesetzgebung und preiswerte Einspeisetarife garantieren den Besitzern der Windkraftanlage ein solides und gleichmäßiges Einkommen, das auch dem Wohl der Gemeinde dient. In Schleswig-Holstein ist mittlerweile der Glaube an Windenergie sehr stark, deren Anteil am Stromverbrauch bereits 50 Prozent beträgt. In ein paar Jahren soll Schleswig-Holstein ein wichtiger Windstrom-Exporteur werden. In die Windkraft investieren auch andere norddeutsche Bundesländer, da sie darin die Chance des Jahrhunderts sehen. Die Handelskammer Hamburg prognostiziert, dass die Energiewende einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung für ganz Norddeutschland bedeutet, wenn sich die künftigen Industriestandorte an den Energiequellen und Häfen orientieren.

PostimiesHerr Mommsen, Bürgermeister von Gröde, nimmt die Post entgegen. Unter normalen Wetterumständen wird die Post täglich nach Gröde gebracht.

Bislang liegt die Problematik jedoch in den noch unzureichenden Stromnetzen. Häufig ist man aktuell sogar gezwungen, die Windkraftwerke zu stoppen, da die heutige Netzkapazität nicht für die von den Windmühlen erzeugte Strommenge ausreicht. Die zweite Herausforderung ist die Weiterentwicklung der Energiespeichermethoden, da die Windenergie hohen Schwankungen unterliegt. An Nord- und Ostsee ist eine Offshore-Windenergieleistung von 25.000 Megawatt bis zum Jahr 2030 geplant. Das Legen der Seekabelnetze zu den mehrere zehn Kilometer von der Küste entfernt gelegenen Windkraftwerken ist sehr aufwendig und teuer. Und damit die im Norden produzierte Windenergie letzten Endes bis ins südliche Deutschland transportiert werden kann, bedarf es im ganzen Land tausende Kilometer von Überlandleitungen. Der Ausbau der Netze wird wiederum durch Genehmigungsprozesse und Beschwerden der Einwohner verlangsamt. Sowohl der Bau der Leitungsnetze als auch der Offshore-Verbindungen wird in Deutschland vorangetrieben, damit der Zeitplan der Energiewende eingehalten werden kann und die Energieversorgung gesichert ist, sobald auf Atomenergie verzichtet wird.

Deutschlands grüne Revolution

Deutschland hat sich durch die Energiewende ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2050 soll 80 Prozent der Energie des Landes durch neue Energiequellen produziert und gleichzeitig die CO2-Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Es ist ein Jahrhundertprojekt. Auch neulich beim Jahresfest des angesehenen Überseeklubs blickte Siemens-Chef Peter Löscher optimistisch nach vorne hinsichtlich des Gelingens des Projektes. Wenn die Unternehmen Klarheit und Sicherheit über die Ausgaben und Risiken aber auch über die Chancen bekommen, kann Deutschland als Weltmarktführer in der Umwelttechnologie durch die Energiewende den Wettbewerbsvorteil langfristig ausbauen. Nach Löscher steht die Gesellschaft am Anfang einer grünen industriellen Revolution. Man sollte sich nicht pessimistisch oder eingeschüchtert fühlen, sondern es sollte uns in Aufbruchstimmung versetzen.

In Finnland befindet sich der Bau von Windkraftanlagen in der Anfangsphase. Der Anteil der Windenergie an der Gesamtproduktion beträgt gerade einmal 0,6 Prozent, die Menge soll jedoch bis zum Jahr 2020 verzehnfacht werden. Die windreichsten Gegenden in Finnland sind identifiziert, und kürzlich hat die Regierung eine Erklärung über den zu beschleunigenden Windenergieausbau veröffentlicht. Die erneubaren Energien in Finnland bestehen hauptsächlich aus Bioenergie, die als Nebenprodukt der Forstindustrie entsteht. Dank der Bioenergie beträgt der Anteil der erneubaren Energien bei uns bereits über 30 Prozent. Ziel ist es, dies bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent zu erhöhen, wofür auch Windenergie benötigt wird. Die Erfahrungen aus Norddeutschland sollte man auch in Finnland nutzen.

Erja Tikka 11.05.2012

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