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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Die Finnen kommen! - Botschaft von Finnland, Berlin - Generalkonsulat von Finnland, Hamburg : Aktuelles : Kultur

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Nachrichten, 20.01.2011 | Generalkonsulat von Finnland, Hamburg

Die Finnen kommen!

Die Elbphilharmonie in Hamburg  ist noch im Bau, aber das Konzertprogramm läuft bereits auf vollen Touren. Eine Woche lang bietet das Finnen-Festival „Rantakala“ auf St. Pauli ein buntes Programm von Jazz über Neo-Folk bis hin zur zeitgenössischen finnischen Klassik – nicht nur für Strandfisch-Freunde.

Die Elbphilharmonie Konzerte feiern mit »Rantakala« ihr viertes Festival – diesmal mit international erfolgreichen Musikern aus Finnland. 44 finnische Künstler rund um den Elektro- und Jazzmusiker Jimi Tenor werden acht Tage lang die vielfältige Musikszene Finnlands präsentieren. In Clubs und Theatern auf St. Pauli und auf Kampnagel – vom 12. bis 19. Februar 2011 heißt es dann in zehn Konzerten, darunter zwei Night-Sessions: »Die Finnen kommen! «

Finnen lieben das Experimentieren

Die Finnen sind nicht nur leidenschaftliche Musiker, sie pflegen auch die Tradition und lieben zugleich das Experimentieren mit unterschiedlichen Stilen. In kaum einem anderen Land verknüpfen Klangkünstler so zwanglos Tradition mit Moderne, Unterhaltsames mit hohem Kunstanspruch. So werden auch die finnischen Solisten und Ensembles des Festivals »Rantakala« Jazz und Neo-Folk, Elektro, Techno und zeitgenössische finnische Klassik in ein kreatives, pulsierendes Spannungsverhältnis setzen – und dem norddeutschen Publikum eine weniger bekannte Seite Finnlands zeigen. »Die finnische Musikszene ist so kreativ und bunt, wie wir uns das Programm der Elbphilharmonie vorstellen«, sagt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant von Laeiszhalle und Elbphilharmonie Hamburg.

»Wir werden unterschiedliche Musik verschiedener Stilrichtungen vorstellen. Finnen sind neugierige Menschen und lassen sich sehr gerne von anderen Kulturen beeinflussen. Dies wird man definitiv im Musikprogramm von »Rantakala« hören und auch sehen! « ergänzt Jimi Tenor

MusiikkitaloIn Hamburg und Helsinki entstehen neue Konzerthäuser. Das „Musiikkitalo“ wird bereits im Herbst 2011 eröffnet. Foto: www.facebook.com/musiikkitalo

Zwischen Hamburg und Helsinki gibt es viele Gemeinsamkeiten: Beide Städte liegen am Wasser und realisieren mit ihren entstehenden Konzerthäusern gerade gigantische Bauprojekte. Und die Menschen beider Städte stehen in dem Ruf, besonders kühl und ruhig zu sein. Dass dies längst nicht auf alle Bewohner Helsinkis  - und natürlich auch nicht auf alle Hamburger -  zutrifft, wird man beim Finnen-Festival »Rantakala« hautnah miterleben können. Denn Finnland hat musikalisch weitaus mehr zu bieten als den großen Komponisten Jean Sibelius. Gemessen an der geringen Bevölkerungsdichte gibt es weltweit kein zweites Land, das so viele Komponisten, Dirigenten, Sänger und Weltklasse-Orchester vorweisen kann. Heute sind in Finnland mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern etwa 30 Berufsorchester aktiv.

Und so ist »Rantakala« fast schon ein Treffen unter Freunden, denn in der überschaubaren Musikszene Finnlands kennt jeder jeden und die Musiker spielen oft in verschiedenen Zusammensetzungen. Wie beim traditionellen alljährlichen »Rantakala« (»Strandfisch«), bei dem man sich mit Freunden am Strand trifft und selbstgefangenen Fisch über dem Lagerfeuer in großen Töpfen voll flüssiger Butter kocht. Dabei wird erzählt, getrunken und gesungen. Die Selbstverständlichkeit und Freude des Musizierens, das Wechselbad zwischen Melancholie und Feierlaune sowie ein liebenswerter Hang zur Skurrilität machen die Künstler und ihre Musik aus dem hohen Norden so einzigartig.

Finnen-Groove trifft Afrobeat

JimiTenorJimi Tenor, Foto: Ilpo Musto

Das Festival eröffnet im Grünspan ein Mann, der gezeigt hat, dass man auch im Einflussgebiet ausgedehnter Polarnächte zum internationalen Star heranreifen kann: der Saxophonist und Elektrotüftler Jimi Tenor selbst. Man nennt ihn gelegentlich auch den Andy Warhol des Nordens. Zum einen sieht der exzentrische Musiker mit seiner Vorliebe für überdimensionale Brillengestelle und seinen blonden Haarsträhnen tatsächlich aus wie die Reinkarnation des New Yorker Pop-Art-Gurus. Zum anderen versteht er es wie jener, kreative Künstler um sich zu scharen. So etwa den nigerianischen Schlagzeuger Tony Allen, der im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag feierte.

Zusammen mit dem 1997 verstorbenen Saxophonisten Fela Kuti gilt  Allen als Begründer des Afrobeats, in dem Funk und afrikanische Perkussion aufeinandertreffen. Mit unglaublicher Leichtigkeit verwandelt der Ausnahme-Schlagzeuger die komplexe Polyrhythmik Westafrikas in treibende Grooves. Brian Enos Behauptung, Allen sei der bedeutendste Schlagzeuger aller Zeiten, ist vor diesem Hintergrund durchaus nachvollziehbar. Auf ihrem 2009 gemeinsam eingespielten Album »Inspiration Information« zeigt sich, dass Tenor (mit Saxophon, Flöte, Orgel und Gesang) und Allen für gemeinsame Jamsessions wie geschaffen sind.

Mit dem Improvisationsmusiker Kalle Kalima an der Gitarre, dessen Band Klima Kalima 2008 mit dem Neuen Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, und einem außergewöhnlichen Percussion-Trio darf man im Grünspan ein musikalisches Feuerwerk erwarten. Jimi Tenor wird im Rahmen des Festivals auch am 18. Februar im Uebel & Gefährlich sowie am 19. Februar im Docks auftreten.

Das Ringen um die Töne

Wrestling1Accordion Wrestling von Kimmo Pohjonen, Foto: Jussi Virkkumaa

Wenn es um das Akkordeon geht, darf er nicht fehlen: Kimmo Pohjonen. Bereits im vergangenen Jahr entfachte er Begeisterungsstürme beim Elbphilharmonie Festival »Akkordeonist!«. Und obwohl sein Spiel alleine schon vor Kraft und Energie strotzt, mit seinen breiten orchestralen Gesten eine geradezu hypnotische Sogwirkung entfaltet, hat der rastlose Finne sich diesmal noch Verstärkung mitgebracht. Acht Ringer treten zum »Akkordion Wrestling« an. Eine skurrile Show-Idee, könnte man meinen, Kampfsport und Klangkunst miteinander zu kombinieren. Aber das Ringen mit Musikbegleitung geht auf eine inzwischen in Vergessenheit geratene, 100 Jahre alte finnische Tradition zurück. Dabei hatte der musikalische Anteil dieser Sportveranstaltungen wohl eher profane Hintergründe, weil er zum einen die Ausschanklizenz sichern, zum anderen aber auch die Flatulenzen der Ringer übertönen sollte. Pohjonen nimmt diese Tradition spielerisch auf und verwandelt sie mit Akkordeon, Stimme, Soundeffekten, Light Show und Filmprojektionen in ein Multimedia-Spektakel, das auch bereits als ein Höhepunkt des Kulturjahrs von Turku, der Kulturhauptstadt Europas 2011, angekündigt wird.

Als Abenteurer des Akkordeons stellt Kimmo Pohjonen sich auf seiner Website vor. Der 46-jährige Musiker hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Klangspektrum seines Instruments bis in nie zuvor gehörte Regionen zu erweitern. Seit seinem klassischen Musikstudium an der Sibelius-Akademie hat Pohjonen sich in zahlreichen Musikrichtungen ausprobiert und aus Folk, Rock, Experimental, Techno, Klassik, Tanz- und Theatermusik seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Samples und elektronische Soundeffekte gehören bei vielen seiner Auftritte ebenso dazu wie seine einprägsame Gesangsstimme. Pohjonen hat mit so unterschiedlichen Künstlern wie dem Sample-Musiker Samuli Kosminen und dem prominenten US-amerikanischen Kronos Quartet auf der Bühne gestanden und bisher sechs Solo-Alben aufgenommen.

Wettläufe, Grenzgänge, Innenansichten

Meta4Meta4, Foto: Antti Hannuniemi

Am zweiten Festivaltag gastiert das Meta4 Quartett in Hamburg. Lebendiges Beispiel dafür, dass sich die finnische Klassik nicht mit Jean Sibelius, Kaija Saariaho und Esa-Pekka Salonen erschöpft hat. Das junge Streichquartett Meta4 stellt drei zeitgenössische Stücke vor, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das Streichquartett Nr. 6 von Jouni Kaipainen entlehnt seinen Beinamen »The Terror Run« dem Roman »The Camomile Lawn« von Mary Wesley, der einen gefährlichen Wettlauf entlang steiler Felsklippen schildert. Das 12-minütige, zügig voranschreitende Musikstück konnte aus Krankheitsgründen nicht bei den BBC Proms 2010 in London uraufgeführt werden und feiert nun beim Festival Rantakala in Hamburg Premiere.

»Play III« ist das dritte Stück einer Reihe von einsätzigen Quartetten des Komponisten Jaakko Kuusisto, dem zwei Jahre älteren Bruder des Geigers Pekka Kuusisto, der am 16. Februar mit dem Ensemble Resonanz im St. Pauli Theater und am 18. Februar mit Jimi Tenor im Uebel & Gefährlich auftritt. Nur eine Harmonie, zwei unterschiedliche Atmosphären: In diesem Werk folgt einem virtuos-furiosen Anfangsteil ein von melodischer Ruhe getragener zweiter Teil, der mit den Grenzen der Tonalität spielt. »Play III« wurde eigens für Meta4 geschrieben, mit dessen Musikern Jaakko bereits mehrfach als Geiger auf der Bühne stand.

Komponist Timo Alakotila ist als Musiker und Kopf der Gruppe JPP in der finnischen Volksmusik zu Hause. Seine Suite wird nicht nur für das Publikum, sondern auch für die vielseitig versierten Musiker von Meta4 eine lustvolle Herausforderung sein.

Natürlich darf bei einem klassischen Finnen-Konzert auch der Stammvater finnischer Klassik nicht fehlen. Jean Sibelius’ Streichquartett in d-moll »Voces Intimae« liefert mit seiner fließenden Strenge und seiner konzentrierten, niemals ausschweifende Melodiegestaltung seelische Innenansichten eines nordischen Spätromantikers.

Das finnische Streichquartet  Meta4 tritt in den renommiertesten Konzerthäusern rund um den Globus auf und hat 2009 sein Debut-Album mit den drei Haydn-Streichquartetten op. 55 (Hob.III:60–62) eingespielt. Zwei Jahre zuvor haben die vier Streicher den ersten Preis beim Haydn-Kammermusikwettbewerb in Wien gewonnen. Der internationale Erfolg begann 2004 nach dem Sieg beim Moskauer Schostakowitsch-Wettbewerb. Das Repertoire des 2001 gegründeten Streichquartetts reicht von der Klassik bis zur Avantgarde.

Beim Rantakala-Festival spielt Meta4 in der St. Pauli Kirche am 13.2. um 20 Uhr.

Legendäres und Erfahrungen mit dem Baumbestand

Natürlich darf auf einem Finnen-Festival das legendäre UMO Jazz Orchestra nicht fehlen.  Der Star-Trompeter Dizzy Gillespie sagte einmal über UMO, es sei eine der besten Bigbands, mit der er je gespielt habe. Die finnische Bigband vereint die führenden Jazz-Musiker Finnlands und hat sich längst internationales Renommee erspielt. Außer Dizzy Gillespie haben viele namhafte Solisten wie Thad Jones, , Gil Evans und Mercer Ellington mit UMO (Uuden Musiikin Orkesteri) zusammen musiziert. Auch wenn in dem über 2200 Stücke umfassenden Repertoire des Ensembles kaum eine Epoche des Jazz fehlt, schlägt das Herz der 17 Musiker besonders für die zeitgenössische finnische Musik. Der Name UMO leitet sich aus der finnischen Abkürzung für Orchester für zeitgenössische Musik, Uuden Musiikin Orkesteri, her.

»Forest Cover Testimonials« ist eine Komposition von Orchesterleiter Kirmo Lintinen, die sich einer stilistischen Einordung entzieht. Das dreisätzige Werk für elektronische Geige und Bigband ist weitestgehend durchkomponiert und verbindet einen farbig-fröhlichen Grundton mit dem dramatischen Flair der Violine, die hin und wieder auch improvisieren darf. Auf dem Programm stehen außerdem eine Eigenkomposition von Solist Kuusisto sowie die deutsche Erstaufführung von Jimi Tenors neuem, rund fünfzigminütigem Werk. Zum Abschluss des Finnen-Festivals »Rantakala« präsentieren deren Protagonisten Tenor und Kuusisto also ein rein finnisches Programm. Tenor kann man auch am 12. Februar im Grünspan erleben, Kuusisto am 16. Februar im St. Pauli Theater. Beide zusammen treten am 18. Februar im Uebel & Gefährlich auf.

Die kleinen Volksmusiker aus Järvelä

Kaum eine Folkband kann auf eine so lange Tradition zurückblicken und ist zugleich gegenwärtig so populär wie JPP. Bis ins 19. Jahrhundert reichen die Wurzeln der Järvelän Pikkupelimannit (»Kleine Volksmusiker aus Järvelä«) zurück. Dabei stimuliert die Musik der vier Geiger – begleitet von Harmonium und Kontrabass – gleichermaßen Ohr und Tanzbein. Es wird also Bewegung aufkommen, wenn die sechs feierfreudigen Finnen im Docks mit Polka, Walzer und Tango den Saal aufheizen. Neben traditioneller finnischer Folklore spielen JPP auch eigene Stücke, die – genau wie die hochkarätigen Arrangements – von Arto Järvelä und Timo Alakotila stammen. Für den avancierten Klang und das hohe musikalische Niveau der Gruppe sorgt auch die Tatsache, dass fast alle Mitglieder eine akademische Musik-Ausbildung an der Sibelius-Akademie in Helsinki genossen haben. Inzwischen hat die aus der Kleinstadt Järvelä stammende Band bereits ihr zehntes Album herausgebracht und feiert Erfolge europaweit, in den USA und Japan.

Timo Alakotila, Harmonium-Spieler und musikalischer Kopf von JPP, hat sich auch als Komponist und Arrangeur einen Namen gemacht und ist in verschiedenen finnischen Folklore-Gruppen aktiv. Alakotilas Stil gründet in der traditionellen finnischen Tanzmusik, insbesondere dem Tango, und ist vom Jazz beeinflusst. Darüber hinaus komponiert der 1959 geborene Allrounder auch Kammermusik im eher »klassischen Stil«.

JPP kann man am 15.2. um 20 Uhr in Docks live erleben

Klönschnack mit den Musikern

Treffpunkt und Zentrum des Finnen-Festivals »Rantakala« bildet die »hausbar « im Schmidt Theater, direkt neben dem St. Pauli Theater. Hier kann das Publikum nach der Show mit den Künstlern zusammentreffen und mit ihnen und anderen Konzertbesuchern fachsimpeln. Oder man lässt den ereignisreichen Abend einfach entspannt ausklingen und beobachtet das Treiben auf dem Spielbudenplatz.

Konzertübersicht »Rantakala«

Sa 12.02.2011

Jimi Tenor & Tony Allen

20 Uhr / Grünspan

So 13.02.2011

Meta4

20 Uhr / St. Pauli Kirche

Mo 14.02.2011

Kuára: Markku Ounaskari & Samuli Mikkonen

20 Uhr / St. Pauli Kirche

Di 15.02.2011

JPP

20 Uhr / Docks

Di 15.02.2011

Lau Nau Trio

22.30 Uhr / Prinzenbar

Mi 16.02.2011

Pekka Kuusisto & Ensemble Resonanz

20 Uhr / St. Pauli Theater

Do 17.02.2011

NDR Bigband & Kalle Kalima • Verneri Pohjola & Band

20 Uhr / Schmidt Theater

Fr 18.02.2011

Kimmo Pohjonen: Accordion Wrestling

20 Uhr / Kampnagel

Fr 18.02.2011

Jimi Tenor & Pekka Kuusisto • Desto

22.30 Uhr / Uebel & Gefährlich

Sa 19.02.2011

UMO & Jimi Tenor & Pekka Kuusisto

19 Uhr / Docks

Weitere Information und Kartenbestellung:

Elbphilharmonie

und

Kulturcafé am Mönckebergbrunnen
Barkhof 3, 20095 Hamburg
Tel: 040 357 666 66, Fax 040 357 666 888
kulturcafe@elbphilharmonie.de

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Aktualisiert 21.01.2011


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