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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Abschiedsrede von Botschafter René Nyberg - Botschaft von Finnland, Berlin : Aktuelles : Politik

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin

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Reden, 11.04.2008 | Botschaft von Finnland, Berlin

Abschiedsrede von Botschafter René Nyberg

René Nyberg, Botschafter von Finnland
Abschiedsempfang 10.4.2008
Gemeinschaftshaus Felleshus der Nordischen Botschaften

 

Liebe Freunde,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

meine Frau und ich freuen uns sehr, dass so viele von Ihnen zu diesem Empfang in unserem Gemeinschaftshaus Felleshus erschienen sind. Wohl nirgends sonst auf der Welt ist die Zusammenarbeit der nordischen Länder so eng und so selbstverständlich wie hier in Berlin. Deshalb möchte ich schon an dieser Stelle meinen nordischen Kollegen hierfür und für die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben, ganz herzlich danken.

* * *

Vier Jahre in Berlin sind vorbei und neue Aufgaben erwarten mich. Partir, c'est mourir un peu – ich verlasse Berlin mit Wehmut. Es ist viel geschehen in diesen vier Jahren und nur wenig davon kann ich hier erwähnen. Wichtig für uns war ganz sicher die EU-Ratspräsidentschaft Finnlands in der zweiten Jahreshälfte 2006, die anschlieβend an Deutschland überging. Für die ausgezeichnete Zusammenarbeit möchte ich meinen deutschen Partnern an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen.

* * *

Nach den Jahren in Moskau habe ich mich lange gefragt, ob die Arbeit eines Botschafters in Deutschland tatsächlich so leicht und sorglos sein könne, wie ich es in Berlin erlebte. Kein Problem weit und breit, nicht einmal die kleinste Andeutung einer Unstimmigkeit - bis wir jetzt im Januar gänzlich unerwartet und mit voller Kraft, gleichsam wie von einem Tsunami von den Ereignissen um die Schlieβung des Nokia-Werkes in Bochum überrollt wurden.

Die emotional geladene Stimmung fasste Harald Schmidt in dem Spruch zusammen: „Deutsche, kauft nicht bei Finnen” - und was sollte ich dem noch hinzufügen. Ich möchte nur meinem norwegischen Kollegen dafür danken, dass er das Protestschreiben eines wütenden Bürgers an mich weiterleitete, in dem dieser schwor, nie wieder nach Norwegen zu reisen.

In der Qualitätspresse sah man die Angelegenheit etwas differenzierter. So erschien beispielsweise in der FAZ vom 14. Februar ein gemeinsamer Beitrag von dem früheren finnischen Ministerpräsidenten Esko Aho und von John Kornblum, dem ehemaligen amerikanischen Botschafter in Deutschland. Ich möchte hier zwei Zitate aus dem Artikel anführen:

„Der Erfolg Europas wird sich künftig nicht an der Zahl der traditionellen Industriearbeitsplätze zeigen, die erhalten werden, sondern an der Zahl der zukunftsträchtigen Arbeitsplätze, die es neu zu schaffen vermag.“

„Weder Wirtschaft noch Politik sind bisher in der Lage, in politisch verständlichen Worten zu erklären, was vor sich geht. Mehr noch: Regierung, Gewerkschaften und Unternehmen sprechen keine gemeinsame Sprache mehr.”

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Niemand bestreitet, dass Nokia diesmal mit seiner Informationspolitik versagt hatte. Aus irgendeinem Grund wurde bei der Diskussion jedoch vergessen, dass es sich um ein Unternehmen handelt, das nicht nur Millionen von Mobilfunkgeräten herstellt, sondern Handys erfolgreich für 30 Euro verkauft - u. a. auch an Verbraucher mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen in armen Regionen dieser Welt, in denen es keine stabile Stromversorgung gibt.

Handys haben unseren Alltag in Europa verändert, aber für das Leben in China, Indien, Bangladesh und in den armen Ländern Afrikas haben sie einen viel entscheidenderen Wandel bewirkt. Und in diesem Prozess spielt Nokia eine zentrale Rolle. Bei dieser Form der Globalisierung gehören Deutschland und Finnland zu den Gewinnern, aber auch dieser Erfolg ist nicht zum Nulltarif zu haben. Bekanntlich gibt es in Europa nur zwei Internetunternehmen mit einem Milliardenumsatz: SAP & Nokia. Und die echte Konkurrenz - die Innovationskonkurrenz - kommt aus dem Silicon Valley.

* * *

Ich muss Ihnen noch ein Geständnis machen. Manchmal habe ich mich in den vergangenen Jahren in Deutschland fast wie ein Auβerirdischer gefühlt - denn so unterschiedlich sind die Auffassungen Finnlands und Deutschlands über die Energiepolitik. Es ist zwar reiner Zufall, aber ich persönlich finde es deswegen sehr passend, dass es meine letzte Amtsaufgabe sein wird, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos nächste Woche nach Olkiluoto in Finnland zu begleiten. Dort werden ein neues Kernkraftwerk sowie ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut. Das Endlager soll im Jahre 2020 in Betrieb genommen werden.

Finnland ist das erste Land der Welt, das ein Endlager baut. Der Beschluss, ein Endlager auf dem Gelände des Kraftwerks in Olkiluoto zu bauen, war entscheidend dafür, dass auch der Bau eines neuen Kernkraftwerks in Finnland eine Mehrheit gefunden hat. Im finnischen Parlament stimmten im Jahre 2000 159 Abgeordnete für den Bau des Endlagers, 3 Abgeordnete stimmten dagegen und 37 Abgeordnete waren während der Abstimmung abwesend.

Verstehen Sie Finnland und die Finnen bitte nicht falsch. Unsere Liebe gilt nicht einer bestimmten Energieform. Würden wir aber kein Kernkraftwerk bauen, wären wir gezwungen, neue Kohlekraftwerke zu errichten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Freunde,

ich möchte Ihnen allen für die schöne Zeit und die zahlreichen inspirierenden und anregenden Gespräche, die meine Frau und ich mit Ihnen erleben durften, ganz herzlich danken. Die groβe Gastfreundschaft, die uns so oft erwiesen wurde, hat uns sehr gefreut. Auch hierfür unser herzlichster Dank!

Ihnen allen wünschen wir alles Gute! Auf Wiedersehen in Berlin und Helsinki!

Liebe Gäste,

darf ich Ihnen nun die Band Klima Kalima vorstellen, die jetzt im Februar den Neuen DeutschenJazzpreis Mannheim gewonnen hat. Klima Kalima mit Kalle Kalima (Gitarre), Oliver Potratz (Bass) und Oliver Steidle (Schlagzeug) ist ein vitales Jazztrio mit einem expressiven und originellen Sound. Die Musik wurzelt jedoch in der Tradition des modernen Jazz und die Band spielt hauptsächlich Kompositionen von Kalle Kalima.

Sie werden nun drei Stücke aus dem Repertoire dieses erfolgreichen Trios hören. - Freuen Sie sich mit mir also auf Klima Kalima

 

 

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Aktualisiert 11.04.2008


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