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Lotta Svärd - Heldinnen der Geschichte - Botschaft von Finnland, Berlin - Generalkonsulat von Finnland, Hamburg : Aktuelles

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Nachrichten, 21.01.2008 | Generalkonsulat von Finnland, Hamburg

Lotta Svärd - Heldinnen der Geschichte

Frauen haben schon von jeher in der finnischen Gesellschaft als gleichberechtigte Partner ihren Mann gestanden. Das Museum am Wasserturm in Hohenlockstedt zeigt eine Ausstellung über die Arbeit der finnischen Frauenorganisation Lotta Svärd.


C. Fürst bei der Eröffnung der Lotta Svärd -Ausstellung

Die Anfänge der Lotta Svärd -Bewegung liegen in der äußerst bewegten Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Finnland um seine Unabhängigkeit kämpfte. Im Januar 1918, kurz nach dem Erlangen der nationalen Unabhängigkeit von Russland, kam es aufgrund der gesellschaftlichen Spannungen in Finnland zum Bürgerkrieg zwischen bürgerlichen und sozialistischen Gruppierungen. Die kämpfenden Truppen wurden auf beiden Seiten von Frauen unterstützt. Der Bürgerkrieg endete im Mai 1918 mit dem Sieg der bürgerlichen Weißen Garden, und die Sieger gründeten die Organisation der Schutzkorps, um die Unabhängigkeit des Landes und die innere Sicherheit zu gewährleisten.

Nähkreise und Frauenabteilungen

Die Unterstützung durch die Frauen bestand anfänglich in erster Linie in der Bereitstellung der Verpflegung bei Übungen und Versammlungen der Schutzkorps, später dann auch aus Bekleidungsnachschub, Sanitätsdiensten und Geldsammlung. Da es für derlei Aufgaben keine Vorbilder gab, war die Tätigkeit sehr unterschiedlich ausgeprägt, demzufolge gab es auch sehr bunt gemischte Bezeichnungen für die Frauenorganisationen. Die Namen reichten von "Frauenabteilung des Schutzkorps" bis hin zu "Nähkreisen". Der Name Lotta Svärd wurde nachweislich zum ersten Mal für die in Riihimäki im November 1918 gegründete Frauenorganisation benutzt. Aber schon in einer Rede im Mai 1918 hat General Carl Gustav Mannerheim die finnischen Frauen gelobt, die als Barmherzige Schwestern oder als "Lotta Svärd" an der Front und daheim unermüdlich mitgearbeitet haben.

Den sehr zutreffenden Namen Lotta Svärd hatte Mannerheim der Balladensammlung Die Erzählungen des Fähnrich Stool von Johan Ludvig Runeberg entnommen, die vom Dritten Russisch-Schwedischen Krieg (1808-1809) handelt. In der Ballade geht der Soldat Svärd in den Krieg und nimmt seine Frau Lotta mit. Der Soldat fällt im Krieg, aber seine tapfere Frau Lotta bleibt dennoch an der Front und bekocht und verarztet die kämpfenden Soldaten. Die Ballade ist fiktiv, aber es gilt als historisch gesichert, dass die Frauen bereits damals im Krieg mitgeholfen haben.

Nach der Eintragung des landesweiten Lotta Svärd -Vereins ins finnische Vereinsregister im September 1920 und der ersten Bezirksrepräsentantenversammlung im Offizierscasino in Helsinki im März 1921 wuchs die Organisation in den 1920er Jahren rasant, 1930 zählte sie bereits 30 000 Mitglieder und 1944 war sie sogar weltweit die größte, ohne Waffen und auf freiwilliger Basis agierende Frauenorganisation in der Landesverteidigung mit 240 000 Mitgliedern. Es ist eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Finnland zu der Zeit noch nicht einmal 4 Mio. Einwohner hatte.


Lotta Svärd beteiligte sich nicht an der Parteipolitik, die Tätigkeit fußte jedoch auf den Wertvorstellungen der Seite, die siegreich aus dem Bürgerkrieg von 1918 hervorgegangen war.

100 000 kg Brot pro Tag

Die Aktivitäten des Lotta Svärd -Vereins gliederten sich in viele verschiedene Sparten auf. Neben der Unterstützung der Schutzkorps verteilte die Organisation in den Kriegsjahren auch Geld-, Kleider- und Lebensmittelspenden an die notleidende Bevölkerung.

Die Ausrüstungs- und Sammelabteilung war für die Fertigung und die Pflege der Bekleidung der Schutzkorps und der Lottas zuständig. Um die dafür notwendigen Gelder zu sammeln, organisierten die Lottas Lotterien, bunte Abende, Nähkreise und Basare.

Die Verpflegungsabteilung war die größte Sektion innerhalb der Organisation. In Friedenszeiten lieferten die Lottas das Essen für die Übungen der Schutzkorps und andere größere Veranstaltungen. Die finanziellen Mittel wurden durch die Unterhaltung von Kantinen, Cafés und Kioske generiert. Damit wurden die notwendigen Großküchengeräte erworben und Lottas geschult. Während des finnischen Winterkrieges haben die Lottas z.B. täglich 100 000 kg Brot gebacken.

Die Lottas der Sanitätsabteilung mussten sowohl in Frontlazaretts als auch in Soldatenkrankenhäusern Dienst leisten. Die schwerste Last trugen sicherlich die Lottas, die in den Evakuierungszentren die gefallenen Soldaten in Särge legten und für den letzten Weg in die Heimat vorbereiteten. Finnland war das einzige am Zweiten Weltkrieg beteiligte Land, das seine gefallenen Soldaten in ihre Heimatorte überführte, um sie dort zu bestatten. Während des Winter- und des Fortsetzungskrieges verloren etwa 300 Lottas bei ihrer Tätigkeit das Leben.

Viele der Aufgaben in der Verwaltungs- und Fernmeldeabteilung erforderten auch technisches Verständnis. Die bekanntesten in dieser Abteilung waren sicherlich die Lottas, die den Luftraum überwacht haben und auf hochgelegenen Stellen mit Ferngläsern Ausschau nach Flugzeugen hielten und ihre Beobachtungen weiterleiteten. In der Abteilung arbeiteten Lottas u.a. als Funker, als Wetterbeobachter und in der Telefonzentrale.

1944 wurden Lottas für die Bedienung von großen Suchscheinwerfern ausgebildet, um die Hauptstadt Helsinki zu verteidigen. Diese Lottas wurden als einzige auch an der Waffe ausgebildet, damit sie in der Lage waren, die wertvolle Ausrüstung zu verteidigen. Dafür durchliefen sie eine Art Unteroffiziersausbildung. Die Ausbildung der 145 Suchscheinwerferlottas löste dann auch eine Krise innerhalb der Lotta Svärd -Organisation aus, da die Benutzung von Waffen im krassen Gegensatz zu den strengen Prinzipien der Organisation stand, die eine unbewaffnete Tätigkeit voraussetzten.

Die Auflösung der Lotta Svärd -Organisation

Nach Kriegsende gerieten viele finnische Organisationen in die Schußlinie wegen des Artikels 21. des Friedensvertrages. Der Artikel besagt, dass alle faschistischen und halbfaschistischen Organisationen in Finnland aufzulösen sind. Welche dazu zählten, bestimmte eine Aufsichtskommision der Sowjetunion. Wegen dieses Artikels wurden z.B. die Schutzkorps am 7.11.1944 aufgelöst. Die Lotta-Organisation wurde allerdings nicht in diesem Zusammenhang aufgelöst, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Sie wurde erst einige Wochen später durch Regierungsbeschluss mit der Begründung aufgelöst, dass sie in einer zu nahen Beziehung zu den Schutzkorps stand.

Zwei Wochen vor diesem Beschluss hatten die Lottas jedoch in weiser Voraussicht einen Großteil des Vereinsvermögens einer Frauenversorgungsstiftung, aus der die heutige Lotta Svärd Stiftung hervorging, übertragen.


An der Heimatfront sorgten sie für Kriegsinvaliden und deren Familien sowie Kriegswaisen.

Von der mobilen Feldküche zum modernen Flugzeugcatering

Zweck der Stiftung war die Versorgung von Frauen und Kindern, die unter dem Krieg zu leiden hatten. Die heutige Satzung erlaubt auch die Schulung für Krisensituationen und die Pflege der Lotta-Traditionen. Zum 60-jährigen Jubiläum in 2004 wurde die Stiftung in Lotta Svärd Stiftung umbenannt.

Zwar mussten die Lottas einen Teil des Geldvermögens an den Staat abgeben, aber es blieb noch genügend übrig, um damit die satzungsgemäße Unterstützung von notleidenden Frauen und Kindern zu leisten. Die Stiftung hat ihr Vermögen durch geschickten Zukauf von Immobilien und Gründung von gewerblichen Unternehmen stets vergrößern können. In stiftungseigenen Wohnungen fanden heimkehrende Lottas und ihre Familien eine erste Bleibe in den von Wohnungsnot geprägten ersten Nachkriegsjahren. Später wurden auch Reha-Maßnahmen und finanzielle Unterstützung von Kriegsinvaliden ermöglicht. Zum 50-jährigen Jubiläum der Lotta-Stiftung wurde 1994 die Gründung eines Lotta-Museums in Tuusula beschlossen.

Nach dem Krieg gab es in Finnland, wie auch in allen anderen am Krieg beteiligten Ländern jede Menge Aufbauarbeit, insbesondere im Norden des Landes, zu leisten. Um die notleidenden Frauen unterstützen zu können, war die Stiftung auf einen steten Zufluss von finanziellen Mittel angewiesen. Die damaligen Vorsitzenden der Stiftung, Maja Genetz und Tellervo Hakkarainen, hatten dann auch die glänzende Idee, einen neuen Verein, Työmaahuolto ry (Baustellenverpflegung e.V.), zu gründen, der die Verpflegung der zahlreichen Baustellen im ganzen Land betrieb. Schließlich standen das dafür notwendige Know how und die ausgebildeten Profis bereits zur Verfügung.

1948 wurde der Verein Työmaahuolto ry in Työmaahuolto Oy, also in eine Aktiengesellschaft, umgewandelt, wobei die Stiftung die Aktienmehrheit behielt. Die Tätigkeit des Unternehmens deckte bald schon das gesamte Land ab und ihm wurde das Catering für alle Großveranstaltungen Finnlands übertragen. Auch Unternehmen wie Nokia, Neste und die Post haben die Dienstleistungen des Lotta-Unternehmens in ihren Betriebskantinen in Anspruch genommen. Die größte Herausforderung war sicherlich die Verpflegung der Gäste bei den Olympischen Spielen in Helsinki im Jahre 1952, als täglich 75.000 Menschen die 9 mobilen Kantinen besuchten.

Unter der Leitung der geschäftstüchtigen Frauen florierte das Geschäft. Das Restaurant "White Lady" in der Mannerheimstraße in Helsinki war sicherlich das bekannteste Tochterunternehmen, das nicht nur für die hohe Qualität der Speisen bekannt war, sondern auch dafür, dass es zu der damaligen Zeit das erste Restaurant in Helsinki war, in das Frauen auch ohne männliche Begleitung Zutritt hatten. Später kamen andere Unternehmen dazu, wie z.B. im Bereich Großhandel, Flugzeug-Catering und Schulkantinen. 1977 hatte der Lotta-Konzern 1.800 Mitarbeiter, 1978 wurden die meisten Unternehmen der Gruppe verkauft.

Heimatliche Geschichte und Jägertradition in Hohenlockstedt

Eine langjährige Jägertradition verbindet die schleswig-holsteinische Gemeinde Hohenlockstedt eng mit der Geschichte der finnischen Nation. Da Finnland als autonomes russisches Großfürstentum keine eigene Armee hatte, machten sich etwa zweitausend junge Finnen in den Jahren 1915 und 1916 auf geheimen Wegen und als Pfadfinder getarnt nach Deutschland auf ins damalige Lockstedter Lager, heute Hohenlockstedt, um eine militärische Ausbildung zu erhalten. Die finnischen Freiwilligen nahmen im Ersten Weltkrieg im Königlich-Preußischen Jägerbataillon Nr. 27 auch an den Kämpfen an der Ostfront teil. Die Jäger, die aus Deutschland nach Finnland zurückgekehrt waren, reihten sich in die Truppen der legalen Regierung, die bürgerlichen Weißen Garden, ein.

Das Hohenlockstedter Museum am Wasserturm ist in dem historischen Pumpenhaus gleich neben dem unter Denkmalschutz stehenden Wasserturm an der Kieler Straße untergebracht. Das Museum konnte nach 8-jähriger Vorarbeit des Vereins für Kultur und Geschichte von Hohenlockstedt e.V. im Jahre 2002 unter Teilnahme zahlreicher Repräsentanten des finnischen Traditionsverbandes "Jägerbataillon 27" eröffnet werden.

Im Museum wird den Besuchern zum einen die heimatliche Geschichte von Hohenlockstedt näher gebracht. Die Gemeinde hieß bis zum Jahre 1956 Lockstedter Lager, da sie aus einem ehemaligen Militärlager aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entstanden war. Zum anderen wird an die traditionelle Verbundenheit mit den Finnischen Jägern erinnert.

Neben der Dauerausstellung werden im Museum im Frühjahr und im Herbst wechselnde Sonderausstellungen mit einem umfangreichen Rahmenprogramm zu den unterschiedlichsten Themen gezeigt.

Die Lotta Svärd -Ausstellung ist noch bis zum 2. März in Hohenlockstedt zu sehen:
Museum am Wasserturm
Am Wasserturm 4a
25551 Hohenlockstedt
Tel. 048 26-37 00 42 (nur während der Öffnungszeiten)
MuseumHohenlockstedt@web.de

Öffnungszeiten: So 14.00–16.30 Uhr und nach Vereinbarung

Quelle: Lotta Svärd Museum

Lotta Svärd Museum

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Aktualisiert 21.01.2008

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