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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Laskiainen - das Rodelfest zur Fastnacht - Botschaft von Finnland, Berlin : Aktuelles

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Nachrichten, 27.02.2003

Laskiainen - das Rodelfest zur Fastnacht

Das finnische Fastnachtsfest wird in diesem Jahr am 4. März gefeiert. Seinen Ursprung hat das Fest in der katholischen Fastentradition. In Finnland wird jedoch hauptsächlich der letzte Tag vor dem Fastenbeginn, der Fastnachtsdienstag, gefeiert.


Rodelvergnügen in Kaivopuisto

Gegen Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte der grösste Teil Finnlands zum schwedischen Herrschaftsgebiet und zur römisch-katholischen Kirche. Die protestantische Reformation erreichte Finnland zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Viele der alten Fastenbräuche sind jedoch trotz der Reformation in Finnland erhalten geblieben. Sie wurden zwar nicht mehr durch die Kirche vorgeschrieben, aber man verband damit andere, dem bäuerlichen Lebensumfeld entsprechende Zwecke. Der Volksglaube besagte z.B., dass man durch das Einhalten bestimmter Fastenregeln die Ernte des kommenden Sommers positiv beeinflussen könnte. Unter der evangelisch-lutherischen Kirche entwickelte sich der Beginn der Fastenzeit zu einem Fest der Arbeit, das die Erwartungen und Wertevorstellungen der damaligen bäuerlichen Gesellschaft widerspiegelte. Auch das Leben in den Städten war noch sehr naturverbunden und stark durch die Landwirtschaft geprägt, so dass das Fastnachtsfest bis heute seinen Platz im Reigen der jährlich wiederkehrenden finnischen Brauchtumsfeste behaupten konnte.

Im Jahreskreis der bäuerlichen Gesellschaft stellte das Fastnachtsfest eine Wende für die häuslichen Arbeiten der Frauen dar. Im Herbst begann man mit dem Spinnen der Leinen-, Hanf- und Wollvorräte und ging nun zum Weben der Stoffe über. Die in Mitteleuropa verbreitete, vor der Fastenzeit ihren Höhepunkt erreichende Karnevalskultur war zwar in Finnland auch nicht gänzlich unbekannt, aber sie hat nie die Popularität erreicht wie in den katholisch geprägten Ländern. In Finnland ging man am Fastnachtsdienstag zum Rodeln. Die ausgelassenen Winterfreuden im Schnee hatten jedoch auch einen ernsten Hintergrund: der im Volk tief verwurzelte Aberglaube besagte, dass man mit dem Rodeln den Erfolg bei der Ernte des kommenden Sommers steigern konnte. Also wünschten sich die jungen Leute, die nachmittags an einem zentral gelegenen Hügel zusammenkamen, durch laute Sprüche und möglichst lange Abfahrten hochgewachsenen Flachs und tellergrosse Weissrüben für ihre Höfe.


Finnische Schule Hamburg beim Laskiais-Schlittschuhlaufen

Die Bewohner der Stadt Helsinki des 19. Jahrhunderts trafen sich mit Schlitten ausgerüstet in den Parkanlagen von Kaisaniemi, Suomenlinna oder Eteläsatama. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in dem Park des Stadtteils Kaisaniemi sogar eine mit Laternen ausgeleuchtete Doppelrodelbahn. Zum Fastnachtsfest des Jahres 1861 wurde in demselben Park die erste Eislaufbahn eröffnet und die Hauptstadtbewohner hatten erstmalig die Gelegenheit, die neue Modesportart aus Mitteleuropa kennen zu lernen. Die Rodeltradition ist bis heute im ganzen Land lebendig geblieben. Im Park von Kaivopuisto in Helsinki treffen sich auch heute am späten Nachmittag eifrige Rodler und es wird bis in die späten Abendstunden gefeiert. Zum Essen gibt es traditionell Erbsensuppe, Eierpfannkuchen, Hefegebäck und Kaffee.

Auch das besondere Hefegebäck des Fastnachtsfestes, laskiaispulla, hat seinen Ursprung in der katholischen Fastentradition. Vor der Fastenzeit sollte man hauptsächlich weisse Nahrungsmittel zu sich nehmen, bestehend aus Milch, Butter, Weizenbrot, Käse oder Eier. In den Norden kam das Fastnachtsgebäck ursprünglich aus Deutschland zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das Gebäck wurde in Butter gebräunt und mit Rosinen und Korinthen gewürzt. Üblicherweise wurde es mit Milch gegessen. In den Konditoreien von Helsinki gab es Mitte des 19. Jahrhunderts bereits das auch heute noch bekannte, mit Marzipan gefüllte Hefegebgäck zu kaufen.
(Quelle: Karjalainen, Korhonen, Lehtonen, Uusi ajantieto, WSOY)


Fastnachtsgebäck


Finnisches Fastnachtsgebäck

300 ml lauwarme Milch
50 g Hefe
1 Teel. Salz
135 g Zucker
2 Teel. Kardamom
ca. 500 g Mehl
150 g Margarine

Füllung:
Marzipan, Schlagsahne

Die Hefe wird in Milch aufgelöst, die Gewürze dazugegeben und der Teig kräftig durchgeknetet (Eier werden nicht verwendet, damit das Gebäck möglichst mürbe wird.)
Aus dem Teig werden etwa 15 Bällchen geformt, die man auf dem Backblech abgedeckt im Warmen gehen lässt. Mit Eigelb bestreichen und bei 250 °C backen.
Von den abgekühlten Bällchen einen Deckel abschneiden und mit Marzipan und Schlagsahne oder mit Marmelade und Schlagsahne füllen.
Alternativ kann man das Innere der Bällchen ausschaben, mit Zucker, Vanillezucker, gemahlenen Mandeln und Sahne vermengen und als Füllung verwenden. Zum Schluss mit in Eiweiss aufgelöstem Puderzucker dekorieren.
(Quelle: Traditionelle finnische Hausgerichte, Arbeitskreis der finnischen Seemannskirche in Hamburg)

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Aktualisiert 18.06.2008


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