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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Botschaft von Finnland, Berlin : Finnland in Deutschland : Blog

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin

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Generalkonsulin Erja Tikka verfolgt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignisse in Norddeutschland. In ihrem Blog gibt sie Einblicke in die deutsch-finnische Zusammenarbeit, berichtet über wichtige Ereignisse in Finnland und über ihre Erlebnisse und Eindrücke. Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind ganz herzlich eingeladen, die Texte zu kommentieren und weitere Anregungen zu geben! 

 

 

Präsidentschaftswahlen mobilisieren Auslandsfinnen

Präsidentschaftswahlen mobilisieren Auslandsfinnen

Bei den Präsidentschaftswahlen Anfang des Jahres in Finnland wird die Nachfolge für die jetzige Staatspräsidentin Tarja Halonen entschieden, die als erste Frau das Amt zwei volle Perioden von jeweils sechs Jahren innehatte. Frau Halonen ist den Hamburgern noch in bester Erinnerung, denn sie hat in 2008 den Hafengeburtstag eröffnet, als Finnland Partnerland war. Sie hat damals auch einen Vortrag im Überseeclub gehalten.

Der eigentliche Wahltag ist am 22. Januar. Wenn keiner der Kandidaten mehr als 50 % der Stimmen erhält, kommt es am 5. Februar zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten, die am meisten Stimmen für sich sammeln konnten. Die finnischen Staatsbürger konnten schon bei den Vorabwahlen ihre Stimme abgeben und das auch im Ausland. So begann das Jahr auch für uns im finnischen Generalkonsulat in Hamburg mit der Organisierung und Durchführung der Präsidentschaftswahlen.

 

Ennakkoäänestys Hampurin pääkonsulaatissaViele eifrige Wählerinnen und Wähler haben ihre Stimme im finnischen Generalkonsulat in Hamburg abgegeben. Foto: Krista Ruuli

In der ersten Runde haben 570 Wähler im Hamburger Generalkonsulat ihre Stimme abgegeben, etwa ein Viertel mehr als bei den letzten Wahlen vor sechs Jahren. Zum ersten Mal konnte man in unserem Amtsbezirk auch in den Honorarkonsulaten in Hannover (119 Stimmabgaben) und in Kiel (48 Stimmabgaben) wählen. Aus Norddeutschland wurden also insgesamt 737 Stimmen nach Finnland geschickt, die dort bei der offiziellen Zählung berücksichtigt werden.

Vor knapp einem Jahr haben etwa 530 Wähler ihre Stimme im Rahmen der finnischen Parlamentswahlen in unserem Amtsbezirk abgegeben, was auch mehr war als bei den vorherigen Wahlen.

In der übrigen Bundesrepublik wurden im ersten Wahlgang 2549 Stimmen abgegeben, die meisten in Berlin (758), München (556), Frankfurt (542) und Düsseldorf (452).

Die Präsidentschaftswahlen mobilisieren die Auslandsfinnen also besonders stark und die Wähler nehmen dafür auch eine längere Anreise in Kauf.  Vor dem Finnlandhaus wehte an den Wahltagen die finnische Flagge mit dem Staatswappen. Für viele Auslandsfinnen ist die Stimmabgabe eine feierliche und auch ein wenig aufregende Situation. Dann spürt man das starke Gefühl, ein finnischer Staatsbürger zu sein, zusammen zu gehören und sich für die Zukunft des eigenen Heimatlandes zu engagieren.

Der Staatspräsident als Leitfigur des Heimatlandes

Obwohl man sich schon möglicherweise seit Jahrzehnten durch Heirat, Familie oder Beruf in einem anderen Land heimisch fühlt, so bedeutet die Möglichkeit, Einfluss auf die Wahl des Staatsoberhauptes im Heimatland üben zu können, dennoch sehr viel. Der jeweilige Staatspräsident ist eine bekannte Persönlichkeit und er oder sie wird als eine Leitfigur des Heimatlandes empfunden. Die Kandidaten sind typischerweise erfahrene Politiker und verdiente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die auch im Kreise der Auslandsfinnen bekannter sind als die Kandidaten der Parlamentswahlen. In der heutigen Zeit muss man nicht mehr Verwandte und Bekannte in der Heimat bemühen, um an Informationen über die Kandidaten heranzukommen, sondern man kann die Wahlkampagne und das Geschehen direkt über das Internet verfolgen. Alle Kandidaten haben eine eigene Website und man kann sich die Interviews und die Diskussionen dazu live im Internet anschauen. Die größten Medien des Landes haben auch sogenannte Wahlautomaten auf ihrer Website, mit denen man die Übereinstimmung der Standpunkte der Kandidaten mit den persönlichen vergleichen kann.

 

Ennakkoäänestys Hannoverin KKssaDas neue Honorarkonsulat in Hannover war zum ersten Mal Wahllokal bei den finnischen Präsidentschaftswahlen. Foto: Jussi Kiho

Außer den in Norddeutschland ansässigen Finnen kamen auch viele junge Menschen, Studierende, ins Ausland entsandte Mitarbeiter finnischer Unternehmen, LKW-Fahrer und andere Reisende zum Wählen. Es gab auffallend viele finnische Staatsbürger der zweiten Generation, die in Deutschland geboren sind und die zum ersten Mal ihre Stimme bei einer finnischen Wahl abgegeben haben. Kinder aus deutsch-finnischen Familien haben schon seit den 1980er Jahren die Nationalität ihrer finnischen Mutter und später auch des finnischen Vaters erhalten und durften sie dann beibehalten, wenn sie eine enge und dauerhafte Beziehung zu Finnland nachweisen konnten. Vor einigen Jahren wurde in Finnland ein Gesetz zur doppelten Staatsangehörigkeit erlassen, nach dem Personen, die die Staatsbürgerschaft z.B. wegen einer Eheschließung verloren haben, sie wiedererlangen konnten, auch für ihre Nachkommen.

Die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden finnischen Staatsbürger sind Frauen, die wegen des Studiums oder aus beruflichen Gründen hergekommen sind. Sie haben später Deutsche geheiratet, aber ihre finnische Herkunft immer gepflegt, haben mit ihren Kindern Finnisch gesprochen, sie zum Unterricht in die finnischen Sprachschulen gebracht und haben mit ihnen die Ferien in Finnland verbracht und sie so mit beiden Kulturen vertraut gemacht. Diese Finninnen und Finnen der jüngeren Generation sind wichtige Bindeglieder zwischen Finnland und ihrem Heimatland. Die Möglichkeit, an den Präsidentschaftswahlen in Finnland teilzunehmen und die damit verbundene Auseinandersetzung mit der Politik des Landes sind die besten Voraussetzungen, um die Verbundenheit mit Finnland und die finnische Hälfte ihrer Identität zu festigen.

Eine Direktwahl hebt die Stellung des Staatspräsidenten hervor

Der finnische Staatspräsident hat heutzutage nicht mehr so viel Macht wie noch vor ein paar Jahrzehnten. Durch die Reformen des Grundgesetzes wurde der Schwerpunkt der Macht mehr in Richtung der in der parlamentarischen Verantwortung stehenden Regierung verlagert. Beispielsweise alle EU-Angelegenheiten unterstehen dem Ministerpräsidenten und der Regierung. Laut Grundgesetz gibt dennoch der Staatspräsident die Richtung in der finnischen Außenpolitik gemeinsam mit dem Kabinett an. Er hat eine zentrale Rolle im Verhältnis zu den Staatsoberhäuptern, insbesondere der Länder außerhalb der EU, ebenso im Rahmen der UN-Politik. In Finnland ist der Präsident auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Stellung des Präsidenten als Oberhaupt der Nation wird auch durch die Tatsache bekräftigt, dass er durch direkte Volksabstimmung gewählt wird und dass die Wahlbeteiligung bei diesen Wahlen höher ist als bei den Parlaments- oder Kommunalwahlen.

Ennakkoäänestys_500_äänestajaNiina Eskola war die 500. Wählerin im Generalkonsulat . Foto: Krista Ruuli

Für die kleine Mannschaft des Generalkonsulats stellt die Organisation der Wahlen eine große Herausforderung dar, aber es ist andererseits auch eine sehr angenehme und dankbare Pflicht. Es war eine große Freude, hunderte Deutschlandfinnen zu treffen und sie bei der Wahrnehmung ihrer Bürgerrechte zu unterstützen.

Am Sonntagabend, den 22. Januar werden wir erfahren, ob die Wahl entschieden ist oder ob wir die Wählerinnen und Wähler in ein paar Wochen bei der zweiten Wahlrunde wiedersehen. Im Falle einer Stichwahl ist die Stimmabgabe im Ausland in der Zeit vom 25.-28. Januar möglich (Hamburg: 25.-28.1. 12.00-18.00 Uhr, Kiel 26.1. 14.00-19.00 Uhr, Hannover 27.1. 14.00-19.00 Uhr).

In den Meinungsumfragen hat der ehemalige Finanzminister und Parlamentspräsident Sauli Niinistö (Sammlungspartei) einen großen Vorsprung vor den anderen Kandidaten gehabt. Nach dem Start der Wahlkampagnen ist der Vorsprung jedoch kleiner geworden und die anderen Kandidaten, wie der ehemalige langjährige Außenminister Paavo Väyrynen (Zentrumspartei) und der sich um Friedensvermittlungen verdient gemachte Parlamentsmitglied Pekka Haavisto (Grüne) haben deutlich aufgeholt. Diese beiden scheinen gemäß den neuesten Umfragen um den zweiten Platz zu kämpfen. Die weiteren Kandidaten sind der Überraschungssieger der letzten Parlamentswahlen und Vorsitzende der „Wahren Finnen“ Timo Soini, der frühere zweimalige Ministerpräsident und Parlamentspräsident Paavo Lipponen (SDP), der Vorsitzende des Linksbündnisses Paavo Arhinmäki, die Gleichstellungsbeauftragte Eva Biaudet (Schwedische Volkspartei) sowie die ehemalige Weltmeisterin im Gehen und EU-Abgeordnete Sari Essayah (Christdemokraten).

 


Erja Tikka, 17.01.2012

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