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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Botschaft von Finnland, Berlin : Finnland in Deutschland : Blog

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin

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Generalkonsulin Erja Tikka verfolgt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignisse in Norddeutschland. In ihrem Blog gibt sie Einblicke in die deutsch-finnische Zusammenarbeit, berichtet über wichtige Ereignisse in Finnland und über ihre Erlebnisse und Eindrücke. Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind ganz herzlich eingeladen, die Texte zu kommentieren und weitere Anregungen zu geben! 

 

 

Die Häfen wachsen und die Riesenschiffe kommen

Das Verkehrsaufkommen der deutschen Häfen sank dramatisch während der Wirtschaftskrise, aber schon kurz danach hat es sich wieder rapide normalisiert. In 2010 betrug das Wachstum 10 Prozent und in der ersten Jahreshälfte 2011 wuchs der Containerverkehr um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Der Markt zeigt dennoch Unsicherheiten wegen des Schwächelns der allgemeinen Weltwirtschaftslage und der äußerst harten Konkurrenzsituation. Bis zum Jahr 2020 werden dennoch Wachstumsraten von 50 - 80 Prozent im Hafenverkehr vorausgesagt, was enorme Investitionen sowohl in die Häfen selbst als auch in die Hinterlandanbindungen voraussetzt. In die Häfen wurde bereits während der Krise investiert.

Erja TikkaWilhelmshaven ist auch der größte Standort der deutschen Marine. Während unseres Schiffsausfluges sind wir dem größten Schiffstyp der deutschen Marine, dem Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main begegnet, der gerade von der Küste Somaliens heimkehrte. Piraten stellen eine große Gefahr für deutsche Reedereien dar und verursachen enorme Kosten.

Ende September habe ich im Rahmen der Herbsttagung der Deutsch-Finnischen Handelskammer Wilhelmshaven besucht, wo der neueste Hafen Deutschlands, der JadeWeserPort, entsteht. Für den Verkehr soll er im August 2012 eröffnet werden und es ist der einzige deutsche Tiefseehafen, in den die Containerschiffe der neuen Generation mit voller Ladung einlaufen können. In zwei bis drei Jahren werden schon 200 dieser Schiffe die Weltmeere befahren: Länge 400 m, Breite 59 m und Höhe 73 m. Sie können 18 000 TEU Ladung aufnerhmen, d.h. Standardcontainer mit den Maßen  6,10 m x 2,6 m x 2,44 m. Ein Schiff kostet mehr als eine Milliarde Euro, aber sowohl die Transport- als auch die Treibstoffkosten werden dadurch sinken.

Die Vertreter von Wilhelmshafen hoffen sehr, dass der neue Hafen auch Verbindungen nach Finnland anbieten kann. Sicherlich wird es von dort künftig auch Feederverkehr in Richtung Ostsee geben.

Finnland ist der viertgrößte Kunde im Hamburger Hafen

 

Der wichtigste Hafen für Finnland im Ausland ist der Hafen von Hamburg, in dessen Statistiken wir nach einem leichten krisenbedingten Knick wieder auf den vierten Platz nach China, Russland und Singapur gestiegen sind. Der Gesamtverkehr des Hamburger Hafens betrug in der ersten Jahreshälfte 2011 64,1 Mio. t mit einem Wachstum von 9,4 Prozent. Der Containerverkehr nahm sogar um 17,4 im Vergleich zum Vorjahr zu. Beim Containerverkehr erreichen die Zahlen bereits nahezu die Spitzenwerte vor der Finanzkrise in 2008. Hamburg hat außerdem Marktanteile von Rotterdam und Antwewrpen zurückerobert und so seine Position als Drehscheibe für den nordeuropäischen Warenverkehr gestärkt.

China ist unbestritten der größte Kunde des Hamburger Hafens, denn jeder dritte Container im Hafen kommt aus China oder ist auf dem Weg dorthin. Aber gleich nach Asien ist die Ostsee die zweitwichtigste Zielregion, deren Verkehr zu Beginn des Jahres um ein Drittel gewachsen ist, denn der Verkehr in Richtung Finnland und Russland hat deutlich Fahrt aufgenommen. Für den Feederverkehr der Ostsee ist Hamburg der führende europäische Hafen mit 154 wöchentlichen Abfahrten.

Die kurzfristigen Aussichten des Hamburger Hafens hängen entscheidend von den Entwicklungen der Weltmärkte ab. Die größte Herausforderung für den Hafenstandort ist immer noch die Ingangsetzung der Elbvertiefung, damit die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs im Vergleich zum neuen Tiefseehafen von Wilhelmshaven und dem stark modernisierten Hafen von Gdansk erhalten bleibt. Ohne Elbvertiefung können die Containerschiffe der neuen Generation den Hamburger Hafen nicht anlaufen. Wenn sich die Voraussagen zur Entwicklung des weltweiten Schiffverkehrs bewahrheiten, dann wird es genug Fracht sowohl für Hamburg als auch für die anderen Häfen geben. Der große Vorteil für den Hafen von Hamburg ist die Lage inmitten der großen Metropolregion und die hervorragende Anbindung an alle europäischen Ziele und den Rest der Welt.

Sanierung des Nordostseekanals bereitet Sorgen

Die möglichen Verzögerungen der Sanierungsarbeiten wegen Sparmaßnahmen des Bundeshaushalts stellen ein Problem für die gesamte maritime Wirtschaft Deutschlands und die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein dar. Sie befürchten eine Staubildung in dem am dichtesten befahrenen Kanal der Welt. Es geht in erster Linie um die Sanierung der elbseitigen, mehr als 100 Jahre alten Schleusenanlagen. Darüber hinaus soll der Kanal um einen Meter vertieft und stellenweise verbreitert werden, damit die immer größer werdenden Schiffe ihn passieren können. Die Kosten der Sanierung werden sich auf etwa 1,25 Mrd. Euro belaufen.

Ein weiteres Sorgenkind der deutschen Schiffahrtsbranche ist der sich im Laufe des vergangenen Jahres extrem zugespitze Konkurrenzkampf bei den Frachtraten. Zurzeit kostet z.B. der Transport eines Standardcontainers von Shanghai nach Nordeuropa 845 Dollar, wohingegen der Preis zu Beginn des Jahres noch bei 1 381 Dollar lag.

MS KlenodenBesuch auf dem Stückgutfrachter MS Klenoden mit Kapitän Eero Matikainen (2. v.r.) im Hamburger Hafen .

Gleichzeitig haben die Reedereien zu viele kleine Schiffe. Vor ein paar Wochen sah man auch im Hamburger Hafen einige kleine Feederschiffe leer am Kai liegen. Ich hatte damals die Gelegenheit, das Schiff "Klenoden" zu besuchen, das wöchentlich zwischen Hamburg und Mäntyluoto bei Pori verkehrt.

Weitere für Finnland bedeutende Häfen sind Bremerhaven, wo das Gesamtverkehrsaufkommen sogar um ein Viertel gestiegen ist und von wo seit dem vergangenen Jahr enorme Mengen von Fahrzeugen verschifft werden. Auch Lübeck ist ein wichtiges Tor für den finnischen Außenhandel, allerdings sind die Wachstumszahlen hier nicht so beeindruckend. Rostock kann ebenfalls mit einer Belebung des Schiffverkehrsaufkommens aufwarten und von dort gibt es neuerdings verbesserte Fährverbindungen nach Finnland. Der niedersächsische Hafen Emden ist ein wichtiger Hafen für die finnische Papierindustrie und das Spitzenprojekt des Bundeslandes ist der bereits erwähnte JadeWeserPort.

Deutsch-Finnisches Logistikforum 2012

Da Norddeutschland und insbesondere Hamburg eine wichtige Drehscheibe für den finnischen Export und Außenhandel ist, organisiert das Generalkonsulat zusammen mit seinen deutschen und finnischen Partnern im Juni des kommenden Jahres das zweite deutsch-finnische Logistikforum im Rahmen der neuen Logistikmesse TransFairLog. Als Teilnehmer erwarten wir die finnischen Häfen und weitere Akteure der finnischen Logistikbranche, die ihre Serviceleistungen präsentieren, wie z.B. eine gut funktionierende und sichere Route nach Russland, sowie Kontakte zu deutschen Logistikunternehmen knüpfen. Eine derart umfassende Veranstaltung kann man nur in Hamburg ausrichten.

Für Finnland sind eine reibungslos funktionierende Schifffahrt und schnelle, kostengünstige Transporte über die Ostsee eine Lebensnotwendigkeit. Eine der Hauptthemen der Tagung der Deutsch-Finnischen Handelskammer war denn auch die Frage nach den Auswirkungen des IMO-Beschlusses über die 0,1-Prozentgrenze bei den Schwefelabgasen auf die Transportkosten. Die neuen Grenzwerte sollen ab 2015 gelten. Sowohl die finnische maritime Wirtschaft als auch die Industrie befürchten, dass bis dahin noch kein geeigneter bezahlbarer Ersatztreibstoff bzw. Schwefelfilteranlagen zur Verfügung stehen werden. Die positiven Auswirkungen der Grenzwerte auf die Umwelt und die Gesundheit werden an sich nicht in Frage gestellt, aber die dadurch entstehenden Mehrkosten für Finnland werden als sehr hoch eingeschätzt. Darüber hinaus sollen die Grenzwerte nur für die Ost- und Nordsee gelten, so dass die Konkurrenzsituation innerhalb Europas in Schieflage gerät. Auch die deutsche maritime Wirtschaft und die nördlichen Bundesländer haben das Problem in der letzten Zeit immer öfter in die Diskussion einbezogen. Zuletzt hat der Bundesrat gefordert, dass die Grenzwerte für Schwefelemissionen gleichzeitig europaweit in Kraft treten sollen.

 


Erja Tikka, 04.10.2011

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