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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Botschaft von Finnland, Berlin : Finnland in Deutschland : Blog

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin

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Generalkonsulin Erja Tikka verfolgt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignisse in Norddeutschland. In ihrem Blog gibt sie Einblicke in die deutsch-finnische Zusammenarbeit, berichtet über wichtige Ereignisse in Finnland und über ihre Erlebnisse und Eindrücke. Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind ganz herzlich eingeladen, die Texte zu kommentieren und weitere Anregungen zu geben! 

 

 

Hoffnungsvolle Wirtschaftsaussichten und ein spannendes Wahljahr

Das Jahr 2011 habe ich mit einer Reihe von Neujahrsempfängen der Bundesländer unseres Amtsbezirks begonnen, die von Neubrandenburg im Osten bis Bremen im Westen reichten. Die Landesregierungen und viele andere Organisationen laden zum Jahresbeginn zu einem Empfang ein, in Finnland geschieht dies meist am Ende des Jahres in der Vorweihnachtszeit.

Bei diesen Empfängen werfen die Ministerpräsidenten und andere hochrangige Personen einen Blick auf das vergangene Jahr und geben eine Einschätzung der Zukunftsaussichten. In diesem Jahr blickten die Redner sehr optimistisch in die Zukunft – ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr. Die Wirtschaftskrise hat man schneller als erwartet überwunden. Das Bruttosozialprodukt in Deutschland stieg in 2010 um 3,6 Prozent.

Erja Tikka_Dethold AdenErja Tikka mit Honorarkonsul Dethold Aden bei einem Besuch in Bremerhaven.

In Norddeutschland und insbesondere in den Hafenstandorten haben die Asien-Exporte das Wachstum angekurbelt. Allein der Hafenverkehr im Hamburger Hafen legte in 2010 nach vorläufigen Informationen um 9-10 Prozent zu. Da der Rückgang im vergangenen Jahr allerdings nahezu 25 Prozent betrug, ist der Weg zu den Zahlen des Spitzenjahres 2008 noch recht weit. Auch die Bremer Häfen konnten stolze Zuwachsraten vermelden. Hier hat sich vor allem der enorm gestiegene Autoexport nach China bemerkbar gemacht. Die Autobauer in Norddeutschland, VW im niedersächsischen Wolfsburg und das Mercedes-Benz Werk in Bremen haben im vergangenen Jahr mehr Autos produziert denn je. Der Hafen von Lübeck konnte immerhin einen bescheidenen Zuwachs von 2 Prozent verzeichnen, aber in Tonnen gemessen wurde auch dort 13 Prozent mehr Papier verladen als im Jahr 2009 – das meiste davon kam aus Finnland.

Die positive Entwicklung spiegelte sich auch in den Statistiken der finnischen Häfen wider. Deren Gesamtwarenverkehr nahm um 12,5 Prozentpunkte zu.

Gute Nachrichten

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist ein weiterer erfreulicher Effekt der positiven Entwicklung. In Finnland betrug die Arbeitslosenquote Ende des vergangenen Jahres 7,1 Prozent und lag damit 1,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. In Hamburg sank die Arbeitslosigkeit unter das Niveau des Jahres 1993 und auch Mecklenburg-Vorpommern, das am schlimmsten von der Arbeitslosigkeit betroffene Bundesland, kann besseren Zeiten entgegensehen. Der Tourismus spielt in der Wirtschaft des Ostseeanrainers eine wesentliche Rolle. In 2010 sorgten rekordverdächtige 13 Mio. Übernachtungen für viele neue Arbeitsplätze. Mit 8,2 Übernachtungen erreichte Hamburg deutschlandweit den zweiten Platz.

Der Jahresbeginn brachte weitere gute Nachrichten. Die im französischen Toulouse und in Hamburg zusammengebauten Airbus-Flugzeuge verkaufen sich zurzeit so gut, dass auch in der Hamburger Region hunderte neue Arbeitsplätze entstehen werden. Auch Finnair trägt zu diesem Nachfrageboom bei mit der Ende des Jahres veröffentlichten Ankündigung neuer Airbus-Bestellungen für die finnische Flotte.

Eine aus finnischer Sicht positive Nachricht ist auch die Tatsache, dass die Lufthansa im April mit dem Testen eines neuen Biokraftstoffgemisches auf der Strecke Hamburg – Frankfurt beginnen wird. Die Flugzeuge werden aus diesem Grund gerade in Hamburg betankt, weil der von Neste entwickelte neue Biokraftstoff über die Ostsee aus Finnland kommt. Denn weder in Deutschland, noch in anderen Ländern, ist ein vergleichbarer Biokraftstoff in der erforderlichen Menge lieferbar.

Den statistischen Zahlen zufolge entwickelt sich die finnische Wirtschaft nahezu genau so gut wie die deutsche. Das Wachstum des vergangenen Jahres war auf dem gleichen Niveau und für dieses Jahr wird ein Wachstum von drei Prozent vorausgesagt. Das Auftragsvolumen der Industrie wächst gar um 25 Prozent, was ein Spitzenwert in Europa ist. Wenn es der deutschen Wirtschaft gut geht, spiegelt sich das auch schnell in Finnland wider, obwohl Schweden als wichtigstes Exportland Finnlands Deutschland letztes Jahr überholt hat.

Die Spannung steigt in Deutschland und in Finnland

In Norddeutschland finden in diesem Jahr drei Landtagswahlen statt. Die ersten sind bereits am 20. Februar in Hamburg. Vorzeitige Wahlen wurden notwendig, weil die Grünen überraschend die Koalition mit den Christdemokraten aufgelöst haben.Den derzeitigen Umfragen zufolge, steht Hamburg ein Machtwechsel bevor. Die seit zehn Jahren in der Opposition arbeitende traditionelle Regierungspartei Hamburgs, die Sozialdemokraten, haben einen großen Vorsprung errungen. Aus schwarz-grün könnte rot-grün oder gar eine rote SPD-Mehrheit werden. Aber die Wahlkampagne läuft noch vier Wochen und die Situation kann sich noch in alle Richtungen ändern.

Danach kommen die Wahlen in Bremen, wo die politische Situation stabiler erscheint. Die regierende SPD und der Koalitionspartner die Grünen können zumindest im Moment noch vertrauensvoll in die Zukunft schauen. Beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters Böhrnsen habe ich allerdings gehört, dass die Spannungen und das Wahlfiber auch dort steigen.

Die dritten Wahlen finden im September in Mecklenburg-Vorpommern statt, wo eine große Koalition regiert. Auch dort scheinen gemäß der neuesten Umfragen keine nennenswerten Veränderungen in Sicht zu sein, allerdings sind es noch sechs Monate bis zu den Wahlen.

Auch in Finnland finden am 17. April Parlamentswahlen statt und es scheint ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden. Die Rangfolge der drei größten Parteien, Nationale Koalitionspartei, Zentrumspartei und Sozialdemokraten, wird genauestens beobachtet, denn davon wird voraussichtlich die Zusammensetzung der Regierungskoalition abhängig sein. Anders als es in der Vergangenheit oft der Fall war, ist es den Sozialdemokraten, die die letzten vier Jahre in der Opposition waren, gemäß den Umfragen nicht gelungen, an den jetzigen großen Koalitionspartnern Nationale Koalitionspartei und Zentrumspartei vorbeizuziehen. Eine weitere wichtige Frage ist, wie groß der Stimmenanteil der True Finns-Partei letztlich wird, die in den letzten Monaten dramatische Zuwächse bei den Meinungsumfragen erzielt hat und ob diese populistische Partei dann Regierungsverantwortung übernehmen wird bzw. muss.

Das Generalkonsulat in Hamburg bietet als Wahllokal auch die Möglichkeit der Teilnahme an den Parlamentswahlen in Finnland. Alle in Deutschland lebenden oder sich in Deutschland zu der Zeit aufhaltenden finnischen Staatsbürger/innen können ihre Stimme vom 6.-9. April zwischen 12 und 18 Uhr im Generalkonsulat in Hamburg und am 9. April von 12 bis 18 Uhr im Finnland-Heim in Lübeck abgeben.


Erja Tikka, 21.01.2011

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