Direkt zum Inhalt
Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Marimekko feiert den 100. Geburtstag der Gründerin - Botschaft von Finnland, Berlin : Aktuelles

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Berlin

Botschaft von Finnland
Rauchstrasse 1, 10787 Berlin
Tel. +49-30-50 50 30
E-Mail: info.berlin@formin.fi
Deutsch | Suomi | Svenska |  |  |  | 
Normale SchriftGrößere Schrift
 
Nachrichten, 07.08.2012 | Generalkonsulat von Finnland, Hamburg

Marimekko feiert den 100. Geburtstag der Gründerin

UnikkoDas bekannte Unikko –Muster von Marimekko. Bild: Marimekko.

Armi Ratia, die Gründerin von Marimekko, wäre am 13.07.2012 hundert Jahre alt geworden. Zu Ehren des Jubiläums hat Marimekko Stoffe gedruckt, die von Ratia in den Anfangsjahren des Unternehmens entworfen worden sind. Armi Ratia hat ein Modelabel geschaffen, das bis heute weiterlebt. Viele Prominente - von Jacqueline Kennedy bis zu den heutigen Hollywood-Stars - wurden in Marimekko-outfits gesehen.

Die Geburt von Marimekko Oy

In den Nachkriegsjahren schrieb Armi Ratia zunächst als Copywriterin Werbetexte. Ihr Mann Viljo Ratia gründete damals das Unternehmen Printex Oy, das Wachstuch herstellte. Der Verkauf der Stoffe erzielte jedoch nicht die erwünschten Zahlen und so schlug Armi Ratia im Jahr 1949 ihrem Mann vor, dass das Unternehmen stattdessen moderne, bunt bedruckte Stoffe herstellen und verkaufen sollte. Als Designerin stellten sie Maija Isola ein, deren Textilien in Fachkreisen bereits sehr geschätzt wurden. Bei den Printex-Kunden kamen die neuen Muster jedoch nicht so gut an, so dass der erhoffte Anstieg der Verkaufszahlen zunächst ausblieb.

Im Jahr 1951 organisierte Armi Ratia eine Modenschau, die noch Jahre danach als das Marimekko-Projekt im Gespräch war. Gleichzeitig gründete sie gemeinsam mit Riitta Immonen ein Unternehmen gleichen Namens, um die Modenschau vom Unternehmen Printex abzugrenzen. Die Modenschau sollte der Damenwelt zeigen, welch wunderbare Modeschöpfungen sich aus den Printext-Stoffen nähen ließen. Die Zuschauerinnen waren jedoch nicht am Kauf der Stoffe interessiert, sondern wollten die Kleidung der Models sofort  kaufen. Ratia beschloss, dem Wunsch der Damen zu entsprechen und verkaufte alle Kleidungsstücke der Modenschau noch am selben Abend. Für den nächsten Tag wurde Nachschub zugesichert.

JokapoikaDas Jokapoika-Hemd zählt zu den Klassikern der Marimekko-Produkte. Bild: Marimekko.

Von diesem Erfolg ermuntert entstand eine enge und fruchtbare Kooperation zwischen Printex und Marimekko, so dass Ratia im Jahr 1953 bereits eine zweite Designerin, Vuokko Eskolin-Nurmesniemi, einstellen konnte. Sie hat dann im Jahr 1956  den meistverkauften Marimekko-Artikel aller Zeiten - das Jokapoika-Hemd („Jedermanns-Hemd“) - entworfen. Eskolin-Nurmesniemi trennte sich von ihrem Arbeitgeber im Jahr 1960 und gründete ihr eigenes Unternehmen. Der Erfolg von Marimekko beruhte jedoch noch lange nach ihrem Ausscheiden auf den von ihr entworfenen Produkten.

Marimekko auf dem Gipfel des Erfolgs

Als visionäre Unternehmerin sah Armi Ratia viel Potenzial im internationalen Marketing. Marimekko und Printex waren beide in dieser Hinsicht Vorreiter im Vergleich zu anderen derzeitigen finnischen Unternehmen. Da beide Unternehmen fast aus dem Nichts entstanden sind, war das Risiko des Scheiterns allgegenwärtig.

Der amerikanische Innenarchitekt und Unternehmer Benjamin Thompson lernte die Stoffe von Printex auf der Weltausstellung in Brüssel kennen. Er nahm Kontakt zu Armi Ratia auf, die daraufhin im Jahr 1959 mit Stoffen von Printex und Kleidung von Marimekko nach Cambrigde, Massachusetts reiste. Thompson organisierte damals eine Ausstellung mit dem Thema Finnland, bei der beide Unternehmen, Printex und Marimekko, im Fokus standen. Die Ausstellung wurde ein Erfolg und brachte beiden Unternehmen viel Ruhm und Bekanntheit ein.  

Zu der Zeit lief John F. Kennedys Präsidentschaftswahlkampagne und seine modebewusste Frau Jacqueline war auf dem Cover des Life-Magazines in einem Marimekko-Kleid abgebildet. Das war der endgültige internationale Durchbruch für Marimekko. Die Verkaufszahlen von Marimekko und Printex gingen danach explosionsartig in die Höhe. Armi Ratia und Marimekko waren insbesondere in den Kreisen der Intellektuellen, Liberalen und Linken sehr beliebt.

Die von Annika Rimalaentworfene Tasaraita-Kollektion („Blockstreifen-Kollektion“) wurde zum großen Erfolg. Tasaraita ist eine Unisex-Kollektion, die aus T-Shirts, Trikothemden und langen Nachthemden besteht. Tasaraita entwickelte sich zu einem ähnlichen Klassiker wie das Jokapoika-Hemd.

Nach einigen Jahren der  Abwesenheit stieg Armi Ratia 1971 wieder in die Geschäftsleitung von Marimekko ein. Von Marimekko entworfene Stoffe wurden in Japan und in den USA mit Lizenz hergestellt. Später wurden auch Franchising-Unternehmen unter dem Marimekko-Label gegründet.

Die Philosophie von Marimekko

Die Philosophie von Marimekko basiert auf Zeilen, die Armi Ratia im Alter von 14 Jahren geschrieben hat:

„Es gibt nur eine Pflicht –

die Schönheit

Es gibt nur eine Wirklichkeit –

der Traum

Es gibt nur eine Kraft –

die Liebe“

Das Design von Marimekko beruht auf der Suche nach dem Schlüssel zu einem schöneren Alltag. Dies lässt sich an den mutigen und großformatigen Mustern und der unbefangenen Art, Farben zu kombinieren, erkennen. Marimekko  entwirft Produkte, die dem Kunden möglichst lange Freude bereiten und zugleich die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Der größte Teil der Stoffe wird immer noch in der Fabrik im Helsinkier Stadtteil Herttoniemi gedruckt. Auch die Bedeutung des gemeinsamen Schaffens wird bei Marimekko stets hervorgehoben, so dass im Unternehmen eine offene und Vertrauen bildende Stimmung herrscht, in der jeder gerne arbeitet. Mut zu Neuem ist etwas, was bei Marimekko stets großgeschrieben wird. Der Schritt zu neuen Ufern wird nicht mit Argwohn betrachtet, sondern im Gegenteil noch unterstützt. Mit Armi Ratias Worten ausgedrückt: „Das Wichtigste ist, dass man es anders macht als früher, wobei die Frage immer lauten sollte: warum?“

Das Erbe von Armi Ratia lebt weiter

Armi RatiaArmi Ratia gab Marimekko ein Gesicht. Bild: Marimekko.

Armi Ratia war für Ihre großen Feste und für ihren gelegentlich unberechenbaren Charakter bekannt. Temperament, Durchsetzungsvermögen sowie Ecken und Kanten hatte sie ausreichend. Auf der anderen Seite konnte sie jedoch auch ein sehr großzügiger und mitfühlender Mensch sein, der seinen Mitarbeitern in der Not zur Seite stand. Sei es, dass sie einem aus dem Krankenhaus entlassenen Mitarbeiter eine Reise in den Süden spendierte oder jemanden bei Wohnungsangelegenheiten unterstützte. Sicher ist, dass die Marke Marimekko ohne Armi Ratias Beharrlickeit nie weltweite Bekanntheit errungen hätte.

Armi Ratia gönnte sich in ihren letzten Lebensjahren mehr Ruhe und akzeptierte auch, dass das von ihr gegründete Unternehmen mittlerweile zu groß und zu international geworden war, um es noch auf ihre Art führen zu können. Sie hatte jedoch bis zum Schluss großes Interesse daran, neue Wege mit zu entwickeln, damit Marimekkos Design stets zeitgemäß blieb und verfolgte genauestens das Einstellen und Wirken der neuen Designer. Armi Ratia starb am 03.10.1979; die Mehrheit der Stimmrechte im Unternehmen wurde auf ihre Kinder übertragen.

Die Erben von Armi Ratia verkauften Marimekko 1985 an den Amer Konzern, der große Pläne mit Marimekko in den darauf folgenden Jahren hatte. Diese gingen jedoch nicht auf und der Konzern verlor sehr viel Geld. Im Jahr 1991 wurde Marimekko an Kirsti Paakkanen verkauft, die gleichzeitig Geschäftsführerin von Marimekko wurde. Sie begann, in junge und interessante Designer zu investieren. Unter anderem wurden Mika Piirainen und Erja Hirvi in dieser Zeit als Designer bei Marimekko verpflichtet. Kirsti Paakkanen wählte den Bankier Mika Ihamuotila als ihren Nachfolger in die Geschäftsleitung, der im Jahr 2008 Geschäftsführer wurde.

Jubiläumsveröffentlichungen

RyijyDer Wandteppich ”Maan uumen” von Armi Ratia. Bild: Freunde des Finnischen Handwerks SKY.

Zu Ehren des hundertjährigen Jubiläums von Armi Ratia webten Freunde des Finnischen Handwerks SKY Ratias Wandteppich Maan uumen (Erdinneres), den sie im Alter von 22 Jahren entworfen hatte. SKY wählte diesen Wandteppich gemeinsam mit Ratias Sohn Ristomatti aus der Kollektion aus. Darüber hinaus veröffentlichte das Verlagshaus Tammi das von Juha Tanttu bereits vor 44 Jahren geschriebene Buch „Armi Ratian maailmassa“ (In der Welt von Armi Ratia). Armi Ratias Freunde hielten das Buch jedoch für zu intim, so dass Armi Ratia im Jahr 1968 beschloss, die Veröffentlichung zu verbieten. Außerdem hat Finnlands Münzprägeanstalt eine Jubiläumsmünze zu Ehren von Armi Ratia herausgegeben. Die Münze wurde von Kari Markkanen entworfen.

Marimekko in Deutschland

Die bunte Welt von Marimekko kann man auch in Deutschland erleben. Eigene Geschäfte unterhält Marimekko mittlerweile in Berlin und Frankfurt. Eine Liste von weiteren Geschäften, die  Marimekko-Produkte führen, findet man auf der Internetseite von Marimekko unter dem unten angegebenen Link.

http://www.marimekko.fi/shops/shop-locator?country=de&city=&tid=All&nid

Seite drucken

Dieses Dokument

Aktualisiert 07.08.2012


© Botschaft von Finnland, Berlin | Impressum | Kontakt