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Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

Der Weihnachtsmann und finnische Weihnachtstraditionen - Botschaft von Finnland, Berlin : Aktuelles

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Nachrichten, 20.12.2010 | Botschaft von Finnland, Berlin

Der Weihnachtsmann und finnische Weihnachtstraditionen
(c) Visit Finland

Der Weihnachtsmann heißt auf Finnisch Joulupukki. Er wohnt auf dem Berg Korvatunturi in Lappland mit seiner Frau Muori und vielen, vielen Wichteln. Der Name Korvatunturi (auf Deutsch: Ohrberg) kommt von der Form des Bergs: Wenn man die zwei Gipfel vom weiten sieht, schaut es so aus, als würde dort ein sehr großes Tier mit stehenden Ohren sitzen.

Die Wichtel sagen auch, dass der Weihnachtsmann alle Kinder der Welt hört, weil sein Hausberg wie riesige Ohren ist. Der Weg zum Korvatunturi ist schwierig und führt durch viele Pfade, Flüsse, Bäche, kleine Berge, Steine und Baumstümpfe. Deshalb besuchen kaum Leute den Berg. Besucher kann der Weihnachtsmann sowieso nicht dorthin einladen, weil in den Werkstätten der Wichtel alle Geheimnisse und Geschenke der kommenden Weihnachten zu sehen wären. Um trotzdem Leute treffen zu können, fährt er jeden Tag zum Polarkreis in sein Dorf, das Pajakylä heißt. Dort besuchen ihn Leute aus der ganzen Welt.

Der Weihnachtsmann bekommt jedes Jahr hunderttausende Briefe aus über 150 Ländern in der ganzen Welt. Allein während des Sommers bekommt der Weihnachtsmann täglich ca. 100 Briefe. Er versucht auch, die Briefe aus dem Ausland zu beantworten, wenn eine Antwort gewünscht ist. Seine Adresse ist übrigens:

Joulupukin Pääposti
96930 Napapiiri
Suomi - Finnland

Das weltbekannte Rentier des Weihnachtsmanns heißt Rudolf Rotnase. Aber Rudolf (auf Finnisch: Petteri Punakuono) ist nur ein Rentier von vielen, denn mit einem Rentier allein könnte der Joulupukki nicht Tausende von Reisen zu den Kindern in der ganzen Welt unternehmen

Weihnachtsglossar finnischer Art

Außer den in Deutschland wohnenden Finnen reisen auch viele Touristen zu Weihnachten in den Norden. Für sie könnte unser kleines Glossar zu den Weihnachtsbräuchen im Heimatland des Weihnachtsmannes eine Orientierungshilfe sein, obwohl der Sinn des Weihnachtsfestes überall gleich ist.

Unserem Weihnachts-Glossar ist u. a. zu entnehmen, was in Finnland zu Weihnachten auf den Tisch kommt, wie ein Eislicht hergestellt wird, wer die Sternsinger sind und was unter einem Himmeli zu verstehen ist.

Bescherung – Die Bescherung findet am 24. Dezember gegen Abend statt. Die Geschenke werden in Lappland im Korvatunturi in der Werkstatt des Weihnachtsmannes von den Wichteln hergestellt und vom Weihnachtsmann mit dem Rentierschlitten zu den Menschen gebracht. Da sich die Weltbevölkerung in den letzten Jahrzehnten explosionsartig vergrößert hat, kann der Weihnachtsmann aus Zeitgründen natürlich nicht mehr jede Familie in ihrem Haus oder ihrer Wohnung besuchen, sondern wirft die Pakete in voller Fahrt vom Schlitten aus vor die Tür. Sind am Heiligabend Kinder in der Familie, ist das von Vorteil, denn dann tritt der Weihnachtsmann mit größerer Sicherheit über die Schwelle des Hauses und fährt nicht gleich weiter.

(c) Visit FinlandEislichter und Kerzenschein schaffen eine schöne Stimmung in der dunkelsten Zeit des Jahres.

Eislicht – Kerzen sind ganz besonders zum Weihnachtsfest, das ja  in der dunkelsten Zeit des Jahresbegangen wird, eine stimmungsvolle Lichtquelle. Am schönsten wirkt der Kerzenschein in einer Hülle aus Eis oder Schnee. Um ein solches Eislicht herzustellen, sind ein Eimer mit Wasser sowie tüchtiger Frost erforderlich. Der mit Wasser gefüllte Eimer muss im Freien stehen, bis das Wasser gefroren, in der Mitte aber noch flüssig ist. Der flüssige Rest wird ausgeschüttet und der Eisklotz aus dem Eimer genommen und dort aufgestellt, wo er von den Hausbewohnern und den Nachbarn gut zu sehen ist. Zum Schluss wird eine Kerze in die Vertiefung des Eisklotzes gestellt und angezündet.

Fest der Armen – Weihnachten ist die Zeit des Friedens und des guten Willens. In Helsinki wird beispielsweise die ”Weihnachtsfeier der Armen” jedes Jahr ausgerichtet. Schon vor Weihnachten wird Geld sowie Kleider- und Lebensmittelspenden für die Armen und Obdachlosen gesammelt. An jedem Tag im Dezember werden Weihnachtspakete aus dieser Sammlung auf dem Platz Rautatientori am Hauptbahnhof ausgegeben.

Friedhofsbesuch – Am Heiligabend werden in Finnland auf den Gräbern der Angehörigen Kerzen aufgestellt. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Friedhöfe zu einem Lichtermeer des Gedenkens. Der weiße Schnee vervielfacht das Licht und die andächtige Stimmung.

Himmeli – Der echt finnische, als Himmeli bezeichnete Weihnachtsschmuck ist für manche sogar die einzige richtige Weihnachtsdekoration für daheim. Himmeli, dessen Name von dem Wort Himmel kommt, ist auch in Schweden nicht unbekannt. Es handelt sich um ein aus Strohhalmen gebasteltes, von der Zimmerdecke herabhängendes pyramidenförmiges Mobile. Früher wurden diese Mobiles schon im Herbst hergestellt und blieben sogar bis in das Frühjahr hinein über dem Esstisch hängen. Manchmal wurden sie auch mit farbigem Papier verziert. Himmeli gilt als der komplizierteste Weihnachtsschmuck. Eine etwas einfachere Art kann hergestellt werden, wenn Roggenstroh mit Ähren in eine rohe Kartoffel gesteckt wird. Dabei entsteht ein kugelförmiges Strohgebilde.

Importweihnachten – Die sprichwörtliche Redensart "Verwende einheimische Erzeugnisse, ziehe finnische Produkte vor" geht insbesondere in der Weihnachtszeit vielen nicht aus dem Sinn. Dessen ungeachtet werden Weihnachtstraditionen importiert, die in die überlieferte Kultur eingehen, als hätten sie schon immer zum finnischen Weihnachtsfest gehört. Wer weiß schon heute noch, dass der finnische Weihnachtsmann seinen grauen Mantel irgendwann in einen roten umgetauscht hat? Der Weihnachtsstrumpf beispielsweise hat aber in Finnland keine Verbreitung gefunden: Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke bereits am Heiligabend, und wer danach noch zur Nacht einen Strumpf aufhängt, wäre ja die Habgier in Person.

Sternsinger – Die Weihnachtslieder und Weihnachtsspiele haben ihre Wurzeln im katholischen Glauben. Sie sollten dem Volk die christliche Art des Weihnachtsfestes nahe bringen und es vom Heidentum wegführen. Übrig geblieben sind davon in der heutigen Zeit auch die Sternsinger bzw. das Singspiel von den drei Weisen aus dem Morgenland. In Finnland reicht die Tradition der Sternsinger bis in das 17. Jahrhundert zurück, als Studenten der Universität Turku erstmals zu den wohlhabenden Häusern zogen und das Spiel aufführten. Dabei sammelten sie Geld für ihr Studium. Heute gehören die Sternsinger zum Standardprogramm der Weihnachtsfeiern in der Adventszeit.

(c) Visit FinlandDer Weihnachtsbaum wird meistens von der ganzen Familie zusammen geschmückt.

Weihnachtsbaum – Die prächtigste Weihnachtsdekoration in der Wohnung ist auch in Finnland der Weihnachtsbaum, die obligatorische Fichte. Am Heiligabend wird sie hereingeholt, im Wohnzimmer aufgestellt und geschmückt. Traditioneller Schmuck für den Weihnachtsbaum sind Ketten mit kleinen Landesflaggen und silberfarbene Bänder, rote und goldene Kugeln sowie insbesondere Strohsterne. An der Spitze leuchtet ein goldener oder silberner Stern. Abgeräumt und ins Freie gebracht wird der Weihnachtsbaum traditionellerweise erst am 6. Januar.

Weihnachtsbrei – Der traditionelle Weihnachtsbrei ist ein üblicher Reisbrei, in den eine einzige Mandel eingerührt wird. Wer sie beim Essen auf seinem Teller findet, wird vom Glück begleitet werden oder hat die Ehre, eine Rede zu halten oder etwas zu singen. Allerdings kann auch ausgemacht werden, dass der Finder eine weihnachtliche Arbeit erledigen muss. In dem Fall bleibt die Mandel häufig unauffindbar. Der Weihnachtsbrei wird nach alter Sitte am Heiligabend zu Mittag mit Zucker, Zimt und Milch oder mit Pflaumensuppe gegessen.

Weihnachtsfeier in den Schulen – In Finnland gestalten die Schulen am letzten Schultag vor dem Fest unter Mitwirkung der Schüler ihre Weihnachtsfeier. Im allgemeinen gehören zur Weihnachtsfeier auf jeden Fall musikalische Darbietungen, das Weihnachtsevangelium als Krippenspiel und außerdem ein Weihnachtsstück. Darin widerfährt dem Weihnachtsmann gewöhnlich unmittelbar vor Heiligabend ein großes Missgeschick, das er nur mit großer Mühe und mit Hilfe seiner klugen Frau, der Weihnachtsfrau, und seiner pfiffigen Wichtel überwindet. Typisch in so einem Stück ist, dass der Weihnachtsmann beispielsweise die Geschenke verliert oder sein Rentier oder aber sein Gedächtnis.

Weihnachtsfrieden – Auch heute noch wird der Weihnachtsfrieden in der früheren finnischen Hauptstadt Turku für das ganze Land verkündet. Das geschieht am Heiligabend auf dem Balkon des Brinkkala-Hauses am Alten Markt, wenn die Uhr des Doms von Turku 12 geschlagen hat. Die Einwohner von Turku versammeln sich dazu auf dem Alten Markt. Anderswo in Finnland wird das Ereignis über Radio und Fernsehen verfolgt. Turku ist die einzige Stadt in ganz Skandinavien, in der sich die Tradition der Verkündung des Weihnachtsfriedens fast ohne Unterbrechung seit dem Mittelalter gehalten hat. Der Heiligabend ist für die meisten Finnen kein Arbeitstag. Nur die Geschäfte haben geöffnet, allerdings auch nicht so lange wie sonst.

Weihnachtskirche – Die Finnen sind keine sehr fleißigen Kirchgänger – außer in der Weihnachtszeit. Eine relativ neue, aber schnell sehr beliebt gewordene Tradition ist die Veranstaltung ”Die schönsten Weihnachtslieder”. Sie findet schon in der Adventszeit statt und ist dazu gedacht, dass die Gemeindemitglieder zusammen Weihnachtslieder singen. Da ist es dann so voll, dass diejenigen, die erst kurz vor Beginn kommen, keinen Sitzplatz mehr bekommen. Neuerdings halten die Gemeinden in der Adventszeit weihnachtliche Andachten auch im Wald.

Am Heiligabend und am ersten Feiertag sind alle finnischen Kirchen mit Menschen aller Altersklassen überfüllt. In der protestantischen Kirche wird Weihnachten am ersten Weihnachtstag mit einem Gottesdienst gefeiert, der am frühen Morgen beginnt, im allgemeinen um fünf Uhr. Früher fuhr man traditionell mit dem Pferdeschlitten noch im Dunkeln durch knirschenden Schnee bei klirrendem Frost zum Weihnachtsgottesdienst zur Kirche.

(c) Visit FinlandIm Winter ist es nach der Sauna Tradition, sich im Schnee zu wälzen.

Weihnachtssauna – Der weihnachtliche Saunagang am Heiligabend vor dem Festmahl ist Tradition in Finnland. In früheren Zeiten war die Weihnachtssauna für die Finnen das wichtigste Ereignis des ganzen Weihnachtsfestes, auf das man sich sorgfältig vorbereiten musste. Früher glaubten die Leute, dass auch die verstorbenen Angehörigen zum Baden in die Weihnachtssauna kämen.

Weihnachtswetter - Über das Weihnachtswetter wird schon Wochen vor den Feiertagen gesprochen. Noch am Heiligabend wird auf Schnee gewartet, wenn er nicht schon bis dahin gefallen ist. Liegt kein Schnee, muss man sich Sorgen wegen der Weihnachtsgeschenke machen. Allerdings steht beim Weihnachtsmann heutzutage für den Fall, dass kein Schlittenwetter herrscht, ein Hubschrauber bereit. Nach Heiligabend ist das Wetter noch mehr in aller Munde: Ganz egal, ob die Straßen frei oder vereist sind, an den Weihnachtsfeiertagen müssen Verwandtenbesuche gemacht werden. Kein Wunder, dass der Autoverkehr dann lebhaft und auch gefährlich ist.

(c) Visit FinlandDie Wichtel sind die Gehilfen des Weihnachtsmannes.

Weihnachtswichtel – Jedermann in Finnland weiß, dass die Wichtel die Gehilfen des Weihnachtsmannes sind. Die Geschenkwichtel basteln Weihnachtsgeschenke, die Postwichtel kümmern sich um das Postamt des Weihnachtsmanns und die Korrespondenz, die Küchenwichtel helfen der Frau des Weihnachtsmannes bei der Essenszubereitung, die Rentierwichtel hüten die Rentiere und so weiter.

Die Wichtel sind ungefähr so groß wie kleine Kinder und verstehen es, unbemerkt zu kommen und zu gehen. Ihre Anwesenheit ist im allgemeinen nur an klitzekleinen Fußspuren im Schnee zu sehen. Die Wichtel sind heimlich unterwegs, beobachten die Kinder und die Eltern und schreiben dem Weihnachtsmann auf, wer artig gewesen ist und Geschenke bekommt.

Weihnachtsfeiertage

Zur Weihnachtszeit gehören drei christliche Feiertage. Am ersten Weihnachtsfeiertag (25.12.) wird das Weihnachtsmahl verdaut, die Zeit mit der Familie verbracht, vielleicht ein Kirchgang und ein Besuch bei den nächsten Angehörigen gemacht.

Der zweite Weihnachtsfeiertag (26.12.), der Tapani-Tag, ist in der christlichen Kirche dem Heiligen Stephan gewidmet, dessen Name zum finnischen Tapani umgewandelt wurde. Es ist in Finnland üblich geworden, nach dem langen und geruhsamen ersten Weihnachtsfeiertag am zweiten zum "Tapani-Tanz" zu gehen, um entweder Tango und Walzer zu tanzen oder auf andere Weise zu feiern und sich mit Freunden zu treffen. Die jüngere Generation zieht allerdings einen Disco-Besuch vor.

Der dritte christliche Feiertag ist das Dreikönigsfest (6.1.). In Finnland wird dieser Tag aber nicht wie in der katholischen Tradition als Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert, sondern er bedeutet das Ende der Weihnachtszeit: Es ist Zeit, den letzten Weihnachtsschmuck wegzuräumen und den Weihnachtsbaum ins Freie zu bringen.

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

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Aktualisiert 09.01.2017


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