
Genau vor 95 Jahren kamen die ersten Finnen im damaligen Lokstedter Lager an, um als Mitglieder des 27. Königlich Preußischen Jägerbataillons eine militärische Ausbildung zu erhalten. Beim traditionellen Finnentag in Hohenlockstedt wurde der mutigen Freiwilligen gedacht, die sich als Pfadfinder getarnt auf den risikoreichen Weg von Finnland nach Norddeutschland gemacht haben.
Am 25. Februar jährte sich zum 95. Mal der Tag, als die ersten finnischen Freiwilligen im damaligen Lokstedter Lager ankamen, um mit ihrer Jägerausbildung zu beginnen. Sie bildeten das 27. Jägerbataillon. Auf der Holsteiner Heide sind in den Jahren 1915 bis 1917 nahezu 2 000 Finnen zu Soldaten ausgebildet worden – unter ihnen ungefähr 50 Generäle. Erst im Jahre 1959 ging das Kommando über die Finnischen Verteidigungskräfte von einem Jägergeneral an die Vertreter der jüngeren Generation über.
Das Jubiläumsjahr wurde mit dem traditionellen Finnentag und der Kranzniederlegung am 27. Februar am Ehrenmal der finnischen Jäger in Hohenlockstedt gefeiert. An der Veranstaltung nahmen mehrere hundert Menschen aus Hohenlockstedt, Schleswig-Holstein, Hamburg und Finnland teil. Die schleswig-holsteinische Landesregierung wurde durch den Staatssekretär, Dr. Arne Wulff repräsentiert. Anwesend waren auch Vertreter der finnischen und deutschen Verteidigungskräfte.
Finnische Jäger bildeten die Basis der Landesverteidigung
Erja Tikka, Finnlands Generalkonsulin in Hamburg, stellte in ihrer Rede fest, dass die Errungenschaften der Jäger sich nicht nur auf das Erlangen der Unabhängigkeit Finnlands beschränkten. Sie waren auch maßgeblich an der Verteidigung dieser Unabhängigkeit zwei Jahrzehnte später beteiligt. Im vergangenen November wurde der 70.Jahrestag des Ausbruchs des Winterkrieges begangen und am 13. März wird das Kriegsende vor 70 Jahren gefeiert. Der Kampf der kleinen Nation gegen einen übermächtigen Angreifer wäre ohne die Jäger nicht möglich gewesen. Sie hatten die finnischen Streitkräfte nach der Erlangung der Unabhängigkeit aufgebaut, die Soldaten ausgebildet und den Kampf an der Front geleitet. Obwohl der Krieg mit einem Verlust von 10 Prozent des finnischen Territoriums in Karelien und mit 27 000 Gefallenen endete, konnten die Freiheit und das demokratische Gesellschaftssystem des Landes erhalten bleiben. Finnland entging dem Schicksal seiner südlichen Nachbarn im Baltikum. Der Traditionsverein des 27. Jägerbataillons behauptet mit Recht, dass der Winterkrieg der zweite Befreiungskrieg Finnlands ist.
Neue Ära der Ostseezusammenarbeit
Bezugnehmend auf den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, die in Deutschland gefeiert wird, stellte Generalkonsulin Tikka fest, dass das Ende des kalten Krieges auch eine neue Periode der Freiheit und Zusammenarbeit für den Ostseeraum eröffnet hat. Finnland und die norddeutschen Bundesländer spielen eine entscheidende Rolle in der Umsetzung der neuen Ostsee-Strategie der Europäischen Union.
Hohe Auszeichnung für Kaarina und Eike Dehls
Nach den Feierlichkeiten am Ehrenmal der finnischen Jäger wurde die Veranstaltung in eine nahestehende Schule verlegt, wo die Gäste in einer warmherzigen Atmosphäre mit Kaffee und Kuchen von der Volksmusikband „Landstreicher“ aus Flensburg unterhalten wurden. Der Bürgermeister von Hohenlockstedt, Bernhard Diedrichsen dankte den zahlreichen deutschen und finnischen Aktiven, die an dem traditionellen Finnentag und der Gedenkfeier der Jäger mitgewirkt haben. Besonders bedankte er sich bei Kaarina und Eike Dehls, die schon seit über 40 Jahren regelmäßig an der Feier teilnehmen. Vor allem haben sie während dieser Zeit hervorragend das Interesse der Öffentlichkeit mit ihren Zeitungsartikeln und Fotos geweckt. Diedrichsen verlieh Kaarina und Eike Dehls den goldenen Orden der Gemeinde Hohenlockstedt - die ersten ihrer Art.
Kaiserliche Fahrradtour
Bereits im Frühjahr 2009 wurde in Hohenlockstedt eine neue Fahrradroute, die „Kaiserliche Übungsplatztour“ eröffnet. Die 15 Kilometer lange Route führt an vielen mit der Geschichte der finnischen Jäger verbundenen Plätzen vorbei. Alle Erklärungen zu den historischen Orten entlang der Strecke sind auf Informationstafeln sowohl in deutscher als auch in finnischer Sprache nachzulesen. Die Kaiserliche Übungsplatztour wurde bereits in verschiedene Wander - und Radwegkarten aufgenommen.
Der Vorsitzende des Kultur-und Traditionsvereins des 27. Jägerbataillons, Brigadegeneral Jukka Pennanen, hat dem Kultur- und Traditionsverein der Stadt Hohenlockstedt zehn Jägerfahrräder der finnischen Armee geschenkt. Sie können von Besuchern der Jägertour in der Zukunft ausgeliehen werden. Das Fahrrad mit der Nummer eins erhielt Bürgermeister Bernhard Diedrichsen, der sofort eine Ehrenrunde auf der Festbühne drehte.