
Anna-Maija Mertens hat im Januar die Institutsleitung des Finnland-Instituts in Deutschland angetreten. Das Ziel der neuen Institutsleiterin ist, die Zusammenarbeit zwischen den deutschsprachigen Ländern Europas und Finnland im Dialog zu vertiefen. Mit der promovierten Politologin kommt zugleich eine Europa-Spezialistin nach Berlin.
Wie sehen Sie die Rolle des Finnland-Instituts und die Zusammenarbeit insbesondere mit der Botschaft von Finnland?
Anna-Maija Mertens: Die Kernaufgabe des Instituts ist, die Zusammenarbeit zwischen den deutsch-sprachigen Ländern Europas und Finnland in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. Unser Ziel ist es, über einen Dialog die Zusammenarbeit zu vertiefen und zu erweitern. Wichtig für unsere Arbeit ist es daher, die deutsche Gesellschaft, die deutsche Mentalität und die aktuellen Themen Deutschlands sehr genau zu kennen.
Diese Expertise ermöglicht uns, finnische Themen und finnisches Können in den verschiedenen wissenschaftlichen, kulturellen sowie wirtschaftlichen Bereichen adäquat im deutschen Kontext zu platzieren, was im besten Falle langfristige Kooperationen entstehen lässt. Für uns ist die Zusammenarbeit mit der Botschaft in diesem Kontext sehr wertvoll. Da wir meistens sich deckende Zielsetzungen, aber unterschiedliche Möglichkeiten haben, entstehen durch diese Zusammenarbeit enorm viel Synergien.
Das wird beispielsweise deutlich durch unser aktuelles gemeinsames Projekt Memory Traces. Zeitgenössische Kunst aus Finnland. Dieses Projekt ist eine Gemeinschaftsinitiative von 15 finnischen Künstlern, die ihre Werke in Koblenz und später an vier verschiedenen Standorten in Berlin zeigen, in Kombinationen mit einem reichen Rahmenprogramm. Während die Künstler für die Inhalte der Ausstellung verantwortlich sind, kümmern wir uns gemeinsam mit der Botschaft um die Kommunikation mit den deutschen Partnern und den Medien sowie um die inhaltliche und die organisatorische Verankerung in der deutschen Gesellschaft. Das gemeinsame Ziel der Botschaft von Finnland und des Finnland-Instituts, breite Sichtbarkeit der Ausstellung in Deutschland sowie nachhaltige Wirkungen auch in Form von weiteren Kooperationen, kann viel eher erreicht werden, wenn wir unsere jeweiligen Netzwerke, Ressourcen, Ideen und Kompetenzen zusammenbringen.
Wie entstand Ihr Weg nach Deutschland, und wo liegen Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte?
Anna-Maija Mertens: Nach dem Abitur am Sibelius-Gymnasium in Helsinki begann ich mein Studium mit dem Schwerpunkt Europapolitik und den Nebenfächern Geschichte und Volkswirtschaft an der Universität Münster. Das Thema meiner Doktorarbeit ist die politische Legitimität einer permanenten Präsidentschaft des Europäischen Rates im Kontext des Lissabon-Vertrages. Ich bin eine Institutionalistin, d.h. ich beschäftige mich mit der Fragestellung, welche Regelwerke welche Inhalte ermöglichen, fördern bzw. verhindern, und wie die diesbezüglichen Interdependenzen zwischen Strukturen und Inhalten sind.
Parallel hatte ich als Projektmanagerin der Innovations¬abteilung der Universität Münster mit der zentralen Fragestellung zu tun: Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft effizienter organisiert werden, damit neue Ideen und Innovationen entstehen können? Als Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Wissenschaftsconsulting habe ich später im Auftrag von Hochschulen und Ministerien strategische und strukturelle Planungen zum Thema Innovationsförderung in Kooperation mit dem jeweiligen Auftraggeber erarbeitet.
Durch diese Tätigkeiten habe ich feststellen können, dass derzeit strukturelle Fragestellungen in Deutschland generell und in der deutschen Forschungspolitik im Besonderen eine wichtige Rolle spielen. Diese Themen werden wir auch in unserer Arbeit in Finnland-Institut aufgreifen, insbesondere auf dem wissenschaftlichen Sektor. Mein Plan ist, proaktiv tätig zu werden, bereits im Stadium der Konzeption von Ideen. Dabei denken wir über viele verschiedene Formen nach wir werden später gern mehr darüber berichten!